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  UE-Home → History → Online Empire 61 → Interview-Übersicht → 220 VOLT-Interview last update: 28.06.2017, 18:12:09  

220 VOLT-Logo

Ganze 17 Jahre haben uns 220 VOLT warten lassen, ehe sie uns ein neues Studioalbum auftischen. Noch imposanter ist jedoch, daß der neue Dreher »Walking In Starlight« tatsächlich so klingt, als ob man »Lethal Illusion nicht schon 1997 in die Läden gewuchtet hätte, sondern erst vor wenigen Monaten. Zeit scheint also kein Thema zu sein für die Formation, die aktuell aus den beiden Gründungsmitgliedern Mats Karlsson und Thomas Drevin, die beide - wenn auch mit diversen Unterbrechungen, seit 1979 die sechssaitigen Arbeitsgerätschaften bei diesen "Elektrikern" unter den Hard Rock-Bands bedienen, dem ebenso schon in der Frühzeit der Existenz zum Line-up von 220 VOLT zählenden Drummer Peter Hermansson und dem noch neuen, aber keineswegs unbekannten Sänger Anders Engberg besteht.

220 VOLT-Bandphoto

In Anbetracht der Umstände, daß »Walking In Starlight« zwar den Faden der vorherigen Werke der Schweden gekonnt weiterspinnt, dabei aber alles andere als ein lauer Aufguß ihrer größten Momente geworden ist, lag es nahe, die Band nach dem aktuellsten Stand der Dinge zu befragen. Neufronter Anders ließ sich auch erst gar nicht lange bitten, sondern, sprudelt vor Mitteilungsdrang förmlich über.

220 VOLT-Headline

Mit Deiner Betrachtung des neuen Albums kann ich verdammt gut leben, denn uns war klar, was man von der Band erwarten würde. Als echten Neuanfang wollen wir »Walking In Starlight« aber definitiv nicht verstanden wissen. In einem solchen Fall wäre es nämlich logischer und auch konsequenter gewesen, wir hätten uns für einen anderen Bandnamen entschieden. Doch das kam nie in Frage, auch wenn wir uns darüber im Klaren waren, daß wir mit jeder Veröffentlichung an den früheren 220 VOLT-Werken gemessen werden.

Eine gesunde und nachvollziehbare Einstellung. Hat sich diese auch auf den Entstehungsprozeß ausgewirkt?

Inwieweit diese Vorgabe den Entstehungsprozeß von Songs in vergangenen Jahren beeinflußt hatte, vermag ich persönlich zwar nicht zu beurteilen, da ich noch nicht so lange mit dabei bin. Zumindest aber kann ich Euch versichern, daß es seit meinem Einstieg im letzten Jahr genau so läuft.

Deinen Namen nun auch bei 220 VOLT zu finden, dürfte sowohl Fans der Band etwas überrascht haben, noch mehr allerdings all jene Szenekenner, die Deine Stimme von doch deutlich härteren Formationen gewohnt sind.

Das kann ich verstehen. Es mag für viele Fans vielleicht etwas eigenartig anmuten, meine Stimme nun bei einer Band zu hören, die sich stilistisch sehr deutlich von LION'S SHARE, THERION und allen anderen Bands unterscheidet, mit denen sie mich bisher in Verbindung gebracht haben, doch ich bin diese Kooperation gerade deshalb eingegangen, weil mir Stil und Richtung noch nie wirklich wichtig gewesen sind, sondern in erster Linie die Melodien essentiell sind. Auch als Musikkonsument ist mir das wichtig. Melodien, eine Hook und auch Groove muß ein Song auf jeden Fall haben. Selbst wenn ich PANTERA als Beispiel heranziehe und wir durchaus darüber diskutieren könnten, wo genau in manchen ihrer Tracks denn nun die "Melodien" enthalten sind, besitzen deren Songs zumindest dermaßen intensive Hooks und Grooves, daß sich diese auf Anhieb ins Langzeitgedächtnis einfräsen. Exakt das war unsere gemeinsame Vorgabe für unsere neuen Songs!

220 VOLT-Bandphoto

Da Du zuvor erwähnt hast, daß ein Teil des Songmaterials schon vor Deinem Einstieg komponiert wurde, ist davon auszugehen, daß darauf bei Euch generell viel Wert gelegt wird.

Auf jeden Fall! Wenn eine Melodie nichts taugt, wird mit Sicherheit kein Song daraus. Aber um nicht falsch verstanden zu werden: Thomas, Mats und Peter haben zwar schon vor meinem Einstieg an Songs gefeilt, der Löwenanteil von »Walking In Starlight« stammt aber dennoch aus der "Gegenwart" und ist erst nach meinem Einstieg entstanden.

Ein weiteres absolut auffälliges Merkmal des Albums ist seine Zeitlosigkeit. War das Eure Intention?

Absolut! Wir betrachten unsere Musik definitiv als zeitlos, wollen uns jedoch keineswegs vor Neuerungen verschließen. Daher ist es für alle wichtig, daß die Tracks in einem gewissen Rahmen im Internet zur Verfügung stehen, ebenso aber ist es für uns vorstellbar, mit dem einen oder anderen Song wieder zu einem Thema für Radiostationen mit Rock-Hintergrund zu werden. Da auch diese momentan zum Glück wieder verstärkt Augenmerk auf prägnante Melodien legen, scheint auch der Zeitpunkt ideal zu sein. Von daher wäre es natürlich fein, wenn der Name 220 VOLT wieder ins flächendeckend ins Gespräch kommen könnte.

Ein entscheidender Beitrag zur "Zeitlosigkeit" des Drehers ist auch der Produktion zuzuschreiben, die in bewährte Hände gelegt wurde.

Danke! Das sehen wir genauso. Es gab innerhalb der Band erst gar keine Debatte, ob Max Norman der ideale Mann für uns wäre. Logisch ist er das, und von daher war es naheliegend, bei ihm anzufragen. Auch, weil er nicht zum ersten Mal mit der Band zusammengearbeitet hat. Für mich persönlich war es eine wirklich interessante Erfahrung, und auch wenn er an sich nur für den Mix zuständig gewesen ist, dürfen wir uns wohl geehrt schätzen, daß ein Mann, der bereits für Szenehelden wie Ozzy, MEGADETH oder Y&T tätig gewesen ist, sich durchweg positiv zu unserem Material geäußert hat.

Mit anderen Worten: »Walking In Starlight« ist ein von vorne bis hinten gelungenes Gerät geworden, aus dem zwar kaum Songs besonders hervorstechen, das aufgrund seiner Hitdichte auf der Gegenseite aber keinen einzigen "Ausfall" zu verzeichnen hat. So jetzt ist es raus, und zumindest ich bin hin und weg!

Nochmals danke, aber etwas anderes hatte ich nicht erwartet! [lacht]Ich will jetzt nicht arrogant klingen, aber ich war wirklich davon überzeugt, daß wir ausschließlich feinstes Material für »Walking In Starlight« verwendet haben. Auf der anderen Seite muß ich aber doch zugeben, daß ich mit dermaßen enthusiastischen Stimmen dann doch nicht gerechnet habe. Schon klar, bis dato liegen uns lediglich erste Presse-Berichte und Meinungen vor, doch dermaßen weit auseinander werden Fans und Schreiber auch nicht liegen, selbst wenn es durchaus nachvollziehbar ist, daß sich manche Fans doch lieber ein neues 220 VOLT-Album gewünscht hätten, das exakt wie eine der ganz alten Scheiben klingen würde. Aber auch das wollten wir von Anfang an vermeiden, denn ein und dasselbe Album immer und immer wieder aufzunehmen, können sich nur ganz, ganz wenige Bands leisten.

220 VOLT-Bandphoto

Alles klar. Was wird denn als nächstes auf dem Programm stehen bei Euch?

Unser gemeinsamer Fokus ist momentan eindeutig auf die Zukunft von 200 VOLT ausgerichtet. So wird es demnächst Auditions für die immer noch vakante Stelle des Bassisten geben, wie wir uns wohl auch demnächst an das Auswählen von Songs für eine Setlist zusammensetzen werden, um gegebenenfalls auch für eine Tournee gerüstet zu sein. Ich persönlich hätte zwar überhaupt kein Problem damit, Konzerte zu bestreiten, bei denen wir uns ausschließlich auf brandaktuellen Stoff beschränken, daß man von einer Band mit dermaßen langer und erfolgreicher Historie aber live auch alle Klassiker erwartet, ist aber ebenso logisch wie aus Fan-Sicht nachvollziehbar.

Zum Schluß muß ich noch ein wenig auf die Aussage des "gemeinsamen Fokus" eingehen, schließlich weiß man, daß Anders Engberg doch noch diverse andere Nebenbaustelle betreibt. Oder hat sich daran etwas geändert?

Nein! Zwar befindet sich das von mir und Torben Enevoldsen betriebene Prog-Unternehmen SECTION X momentan eher im Ruhezustand, ein weiteres Album ist aber durchaus realistisch, wenn auch nicht in naher Zukunft. Sehr bald allerdings, und darauf bin ich stolz hinweisen zu können, wird es neues Material meines Doom Metal-Unternehmens SORCERER geben. Zwar haben wir noch kein Label gefunden, ich bin mir aber ganz sicher, daß wir im Laufe des Jahres 2015 ein neues Album veröffentlichen können. Daran haben meine Kumpels und ich trotz meiner Arbeit mit 220 VOLT zuletzt wirklich sehr hart und intensiv gearbeitet. Laßt Euch überraschen!

Das tun wir gerne, mein Lieber, zuvor aber werden wir gemeinsam mit 220 VOLT in Richtung "Starlight" abheben und hoffen zudem, daß die Band im nächsten Jahr auch hierzulande livehaftig in Erscheinung treten wird.

http://www.220volt.se/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Goran Strand

220 VOLT im Überblick:
220 VOLT – Eye To Eye (Re-Release)
220 VOLT – ONLINE EMPIRE 12-Special
220 VOLT – ONLINE EMPIRE 61-Interview
220 VOLT – News vom 15.12.2009
220 VOLT – News vom 17.02.2013
andere Projekte des beteiligten Musikers Anders "Andy" Engberg:
BOOK OF REFLECTIONS – Book Of Reflections (Rundling)
DREAMS FALL – News vom 19.11.2003
LION'S SHARE – Fall From Grace (Rundling)
LION'S SHARE – Two (Rundling)
SECTION A – Parallel Lives (Rundling)
SECTION A – The Seventh Sign (Rundling)
SECTION A – News vom 29.10.2007
SECTION A – News vom 29.10.2007
SORCERER (S) – Demo '89 (Demo)
SORCERER (S) – Heathens From The North (Rundling)
SORCERER (S) – News vom 15.05.2010
Playlist: SORCERER (S)-Album »In The Shadow Of The Inverted Cross« in "Jahrescharts 2015" auf Platz 3 von Walter Scheurer
Playlist: SORCERER (S)-Album »The Inquisition« in "Cavelist Metal Hammer 02/93" auf Platz 4 von Stefan Glas
Playlist: SORCERER (S)-Liveshow Würzburg, "Hammer Of Doom"-Festival 20.11.2015 in "Jahrescharts 2015" auf Platz 4 von Stefan Glas
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