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EXCRUCIATION (CH)-Bandphoto 1

Nicht nur ich war von der Reunion der eidgenössischen Doom-Deather EXCRUCIATION angetan, sondern offensichtlich auch einige Kollegen der Fanzineschreiberschaft, wie den bislang durchwegs positiven Kritiken zu »Angels To Some, Demons To Others« zu entnehmen ist.
Aber nicht nur besagtes Album war der Grund, sich mit der Band, vertreten durch Sänger Eugenio Meccariello, in Verbindung zu setzen und den aktuellen Stand der Dinge im Lager der Schweizer zu erfragen.

Nachträglich nochmals herzlichen Glückwunsch zum Entschluß, EXCRUCIATION auferstehen zu lassen! Mit Eurem aktuellen Album »Angels To Some, Demons To Others« habt Ihr den Fans gezeigt, daß Metal keineswegs eine Frage des Alters ist. Wie fühlt man sich nach so langer Absenz wieder in diesem Geschäft?

Wieder 20 Jahre jünger!!! Es macht wirklich Spaß, mit den Jungs wieder rumzuhängen. Wir sind wieder richtig fette Freunde geworden, und zugleich sind dieselben Vibes wie zur Anfangszeit wieder entstanden.

Was hat eigentlich den Ausschlag dafür gegeben, daß EXCRUCIATION auferstehen?

Andy, unser Drummer, war daran "schuld": Er hat uns alle zusammengetrommelt, um eine Art "Klassentreffen" zu veranstalten. Nachdem er uns dann mit viel Bier und Wein abgefüllt hat, fragte er uns, ob wir nicht Lust hätten, wieder etwas zusammen zu machen, ohne großartiges Ziel, einfach nur um es ein bißchen krachen zu lassen. Und somit nahm die Geschichte ihren Lauf.

Death Metal mit Doom Metal gepaart existiert zwar nicht erst seit gestern, aber ich denke nicht, daß es zahlreichen Jungspunden in der Szene bewußt ist, daß Ihr bereits anno 1985 derlei Klänge fabriziert habt. Fühlt Ihr Euch denn irgendwie als "Vorreiter"?

Jein. Im Nachhinein betrachtet, waren wir sicher Vorreiter, vor allem hier in der Schweiz. Es gibt auch einige größere Bands, die nach uns kamen und damals noch Fans von uns waren und die wir ihrer eigenen Aussage nach auch beeinflußt haben.
Doch die eigentlichen Vorreiter dieser Art von Musik waren unsere Helden wie VENOM, BATHORY, CIRITH UNGOL, HELLHAMMER oder SLAYER. Es wäre geradezu blasphemisch, sich mit diesen Formation auf eine Stufe stellen zu wollen.

Interessant finde ich an Euren Veröffentlichungen nicht nur die Musik an sich, sondern sehr wohl auch die lyrische Komponente. Woher kamen (und kommen) die Inspirationen für derlei Texte?

Es ist mein Leben, beziehungsweise eine Momentaufnahme von meinen Gedanken und Gefühlen, die ich zu dem Zeitpunkt als wir den jeweiligen Song komponierten, gerade empfunden habe. Manchmal ist es aber auch so, daß einer der Band mit seinen Riffs was sagen will und mir seine Intention weitergibt. Bei ›My Darkest Hour‹, war das beispielsweise so. Der Text zu diesem Song ist auf Wunsch von Marcel geschrieben wurde. Auch ›Mo(u)rning Again‹ ist hier zu nennen, José beschrieb mir zunächst, was er mit dieser Nummer aussagen wollte, und ich habe dann versucht seine Ideen mit meiner eigenen "Vision" zu verschmelzen.

Nicht , daß wir mit »Arise« und »Angels To Some, Demons To Others« unzufrieden wären, aber eine Reunion wäre doch auch ein passender Anlaß eine Doppel-CD mit eventuell unveröffentlichten Schätzen zu veröffentlichen können, oder sind da etwa Aufnahmen für den 25. Geburtstag der Band, der in zwei Jahre zu feiern sein wird, in der Schublade verbleiben?

Nein, so ist es leider nicht. Wir haben natürlich noch genügend altes Material, das nie veröffentlicht wurde. Doch finden wir es spannender, Neues zu schreiben als alte Songs aufzuwärmen. Dazu kommt, daß wir alle Songs, die wir letztes Jahr geschrieben haben, auch auf dem Album sind. Jetzt müssen wir eben wieder ran. Es gibt doch nichts langweiligeres als eine Reunion von einer Band, die nichts Neues zu sagen hat.

So ist es. Da es aber doch massig unveröffentlichtes Material in den Archiven gibt, könnte man auch einmal über die Veröffentlichung einer DVD nachdenken? Gibt es Pläne diesbezüglich?

Material hätten wir genug, ich mußte sogar für das Schweizer Fernsehen in den letzten Tagen gute acht Stunden Live-Mitschnitte von früher durchschauen. Leider hat aber die Qualität der Bänder in den letzten 20 Jahren gelitten und daher sind die vorhandenen Mitschnitte für eine Veröffentlichung nicht wirklich geeignet
Wir werden aber sicher ein paar Ausschnitte demnächst einmal online stellen.

Gute Idee. Zumal sich ein Bild von der Band auf der Bühne machen kann. Wird es denn eine Tournee zu »Angels To Some, Demons To Others« geben?

Wohl eher nicht. Da wir alle berufstätig sind und zum Teil Familie haben und dadurch auch auf ein festes Einkommen angewiesen sind, wird so etwas schwierig. Wir konzentrieren uns auf Wochenend-Gigs und hoffen, daß auch noch das eine oder andere Festival dazukommt. Außerdem haben wir keine Plattenfirma im Hintergrund, die fähig wäre, uns eine Tour zu finanzieren. Wir hatten ein paar Angebote, um als Support mitzugehen, aber das war leider vom Finanziellen her nicht machbar. Aber sag niemals nie!
An alle Veranstalter, die nach einer geilen Live-Band sucht, unsere Adresse steht auf der Homepage.

Sie haben es gelesen, meine Damen und Herren, jetzt liegt es an Ihnen! Wo waren und sind denn die meisten Eurer Fans beheimatet?

Wo sie jetzt sind, wird sich noch herausstellen. Wir haben sehr gute Resonanzen aus dem deutschsprachigen Raum bekommen, was früher nicht so der Fall war. Damals waren wir in Ländern wie Italien, Frankreich, Süd- und Mittelamerika und im Osten ziemlich angesagt. Jetzt gilt es eben den Rest zu erobern.

Turn...

Daran wird sich hoffentlich etwas ändern. Wo wir gerade bei "früher" angelangt sind: Weshalb kam es 1991 zum vorübergehenden Ende der Band?

Jetzt kommt's: "Wegen persönlichen und musikalischen Differenzen". [lacht]
Im Ernst, wir konnten uns nicht mehr ausstehen. Wir haben unsere ganze Teenie-Zeit miteinander verbracht und irgendwann einmal haben wir uns auseinandergelebt. Es war so ähnlich wie die erste große Liebe und dann wird man erwachsen und man merkt, daß man verschiedene Ziele im Leben hat. Wir trafen uns nur noch im Übungsraum und zu den Konzerten. Vielleicht hatten wir uns auch schon alles gesagt, was man sich in diesem Alter zu sagen hat.

Was waren denn die Highlights in der Karriere von EXCRUCIATION wenn wir über Verkaufszahlen und Shows sprechen?

Puhhh... Schwierige Frage. 1986 bis 1988 war ein einziges Highlight. Wir waren damals voller Enthusiasmus und spielten fast jedes Wochenende irgendwo. Hervorzuheben sicherlich, als wir 1987 für die YOUNG GODS eröffnen durften und zwar vor 1400 Leuten und dazu das ganze Konzert im Schweizer Radio übertragen wurde. Und das war erst unser fünfter Gig. Tags darauf spielten wir als Headliner in Mailand vor 800 völlig durchgedrehten Italienern. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht mal unsere Mini-LP draußen. Oder auch unsere DDR-Gigs 1990, noch vor der Wiedervereinigung, waren Highlights. Die Leute da waren "ausgehungert" und gingen bei den Gigs total ab.
Die Verkaufszahlen waren zwar für heutige Verhältnisse hoch (15.000 von »Last Judgement«, 20.000 von »Anno Domini«), aber dazumal war das nicht viel mehr als guter Durchschnitt.
Ansonsten war natürlich das letzte Jahr ein Glanzlicht, denn es tut gut jetzt die fertige CD in Händen halten zu können.

Seid Ihr denn in den Jahren der "Ruhe" dennoch als Musiker aktiv gewesen?

Nicht alle als Musiker, aber zum Teil als Tontechniker, Booker oder A&R, also doch im Geschäft verblieben. D.D. Lowinger und ich spielten nach dem Split noch ein paar Monate zusammen bei TOTART, bei denen ich noch gute zwei Jahre danach aktiv war. Ich sang später aushilfsweise bei einigen Death Metal-Bands und fing dann an, mich immer mehr für elektronische Musik zu interessieren. George spielte auch bei einigen Bands, blieb dem Metal jedoch immer treu. José gründete eine Hardcore-Combo namens CURB DOGS, die hierzulande ziemlich angesagt war.

Habt Ihr die zahlreichen Veränderungen in der Metal-Szene seit Eurem Ende damals mitverfolgt, oder hattet Ihr die Schnauze voll davon und Euch auf andere Aktivitäten konzentriert?

Ich selber nicht unbedingt. Ich kaufte mir zwar ab und zu in den Ferien Magazine, aber vor allem Mitte der 90er Jahre kam nichts mehr raus, was mich umhaute. Die anderen verfolgten die Szene zumindest teilweise mit regem Interesse.

Neben der Musik und den Texten scheint auch der optische Aspekt immer ein wesentlicher bei Euch zu sein. Auch das aktuelle Album kann sich nicht nur hören, sondern sehr wohl auch sehen lassen. Verfolgt Ihr eine bestimme Intention Eure Alben auch dementsprechend zu gestalten?

Klar! Ich finde den visuellen Aspekt fast so wichtig wie die Musik selbst. Zudem wollten wir natürlich etwas Schönes und Spezielles für die Leute machen, die sich das Album kaufen und es nicht von irgendwoher gratis runterladen. Es ist halt so wie bei Büchern. Ein schön aufgemachtes Hardcover-Buch ist mir tausendmal lieber als eine PDF-Datei, auch wenn der Inhalt der Gleiche ist. Außerdem geht es natürlich auch um uns: Wir hatten die Freiheit zu machen, was und wie wir es wollten, und das Ziel war dann ein "Gesamtwerk" herauszubringen, das vor allem uns gefällt und zu 100 Prozent EXCRUCIATION ist.

Und dazu darf man gratulieren. Eure Comeback-Scheibe »Arise« erschien auch als Picture Disc, wird auch von »Angels To Some - Demons To Others« ein solche zu haben sein?

Das wäre geil! Ich sehe das Doppel-Album schon vor mir! Leider würde es sehr teuer werden, da die CD nicht auf eine LP paßt, außer du nimmst massive Qualitätseinbußen in Kauf. Aber ein Doppelalbum in Klappcover oder eine Doppel-Picture wäre ein Traum. Wir sind halt Old School-Vinyl-Fetischisten. Im Moment schauen wir, ob wir ein geeignetes Label dafür finden können.
Wir sind, glaube ich zumindest, auch die einzige Band, die jemals eine Bonus-Vinyl-5" zur einer CD gepackt hat. Ist eigentlich ziemlich bescheuert, aber ich liebe dieses Teil!

Besteht denn die Chance, eventuell auch Eure alten Veröffentlichungen in überarbeiteter Form eines Tages zu erhalten?

Vorerst sicher nicht. Wir haben zwar im Studio noch einen alten Song, ›Merciless Destiny‹, aufgenommen, weil wir Zeit und Lust dazu hatten, aber ich glaube nicht, daß in Bälde noch andere Tracks folgen werden, höchstens ein paar der bislang unveröffentlichten Songs.

EXCRUCIATION-Bandphoto 2

Lassen wir uns einfach überraschen. Wenn man die letzten 20 Jahre nochmals revuepassieren läßt, wie könnte man denn die musikalische Entwicklung von EXCRUCIATION beschreiben?

Am Anfang waren wir Fans, die versucht haben, Musik im Stile ihrer Idole zu komponieren. Danach versuchten wir, nicht mehr so zu klingen wie alle anderen Bands, und jetzt machen wir einfach das, worauf wir Lust haben. Oder anders gesagt, am Anfang war Thrash und Hardcore im Vordergrund, jedoch immer mit langsamen Parts dazwischen. Die doomigen Teile wurden dann immer wichtiger und die schnellen Riffs verschwanden immer weiter in den Hintergrund.

Als Österreicher habe ich schon seit Jahren ein wenig neidisch in Richtung Schweiz geblickt, denn an Berühmtheiten in der Rockszene, wie es KROKUS oder CELTIC FROST nun einmal sind, mangelt es bei uns seit Jahrzehnten. Noch nicht einmal annähernd das Renommee, welches Truppen wie CORONER erlangen konnten, schafften österreichische Bands im direkten Vergleich. Was ist das Geheimnis des Erfolges von Bands aus der Eidgenossenschaft?

So ist es ja auch wieder nicht. Momentan sind ja BELPHEGOR ziemlich angesagt und PUNGENT STENCH sorgen immer wieder für Furore. Dazu gab es ja auch noch DISHARMONIC ORCHESTRA, die in der Frühzeit des Death Metal bekannt waren.
Was an der Schweiz aber wirklich interessant ist, daß es hier immer wieder sehr innovative Bands gab, seien es CELTIC FROST im Metal, oder auch Bands anderer Stilrichtungen wie YELLO, THE YOUNG GODS oder die SWAMP TERRORISTS.
Aber neidisch müßt Ihr definitiv nicht sein. Okay, Ihr habt keine EXCRUCIATION, aber wir kommen Euch gerne mal besuchen. [lacht]

Da nehm' ich Dich beim Wort und im Idealfall haben sich bis dahin leider nicht mehr existierende Bands wie POLTERGEIST, XERXES oder MEGORA auch wieder dazu entschlossenen, einen Neustart zu wagen, um unter dem Motto "Swiss Underground Metal-Attack" loszulegen. In der Zwischenzeit bedanke ich mich für die Auskunft und wünsche das Beste für die nächsten Jahre, oder gibt es noch etwas, daß ihr dringend loswerden wollt?

Ich danke Dir! Supportet den Untergrund, denn solange Bands eine Plattform wie Eure haben, wird der Metal für immer weiterleben!! Stay Heavy, Stay Doooooooom!

http://www.excruciation.net/

info@excruciation.net

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Manuel Vargas Lépiz

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