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"United Forces Of Rock 2"-Festival

Ludwigsburg, Rockfabrik

30.10.2006

Nachdem das erste "United Forces Of Rock" ein Erfolg gewesen war, bestand für die Macher, unsere Kollegen des ROCK IT-Magazins kein Zweifel, daß es eine zweite Auflage geben würde. Zu diesem Zwecke hatte man am 1. Oktober erneut in die Ludwigsburger "Rockfabrik" geladen. Zwar waren beim UFOR 2 vielleicht nicht ganz so illustre Namen am Start, aber die gleiche hohe musikalische Qualität wie bei der Erstauflage war gewährleistet, was vom Publikum honoriert wurde, so daß die Veranstaltung ausverkauft war.

LOVECHILD [FL]-Liveshot

Den Auftakt machen LOVECHILD aus Liechtenstein, das laut Sänger Werner Schweizer "für Banken, Versicherungen und ähnliche krummen Geschäfte" bekannt sei, womit er einige Lacher auf seiner Seite hat. Doch ansonsten agiert der Sangesmann, der übrigens früher bei SATROX gesungen hatte (wo auch der heutige LOVECHILD-Trommler Danny Zimmermann involviert war), ein wenig zu affektiert. Andererseits schafft er es aber relativ professionell, Kommunikation mit dem Publikum zu betreiben, als die Bassdrum den Geist aufgibt. Doch dann wird die Band von offizieller Seite aus von der Bühne gescheucht, um nach einer zehnminütigen Reparaturunterbrechung wieder durchstarten zu können, was letztendlich den Set von LOVECHILD verkürzt. Doch die zur Verfügung stehende Spielzeit reicht aus, um LOVECHILD guten, relativ harten Melodic Rock bescheinigen zu können, so daß man sich auf die nahezu zeitgleich erschienene Platte »Soul Collector« freuen darf, die Ex-CORONER-Mann Tommy Vetterli produziert hat.

BLOODBOUND-Liveshot

Bei BLOODBOUND sind gegenüber dem mit »Nosferatu« betitelten Erstling nur noch die beiden STREET TALK-Mucker Fredrik Bergh und Tomas Olsson, sowie Tomas' jüngerer Bruder Henrik verblieben. Neu sind indes Pelle Åkerlind, seit Ende Mai auch neuer Drummer von MORGANA LEFAY, und Sänger Kristian Andrén, der zur Band stieß als Urban Breed nach seinem Ausstieg bei TAD MOROSE auch BLOODBOUND den Rücken gekehrt hatte. Kristian paßt stimmlich gut zu den Kompositionen, ist showtechnisch sehr bemüht, doch es ist nicht zu übersehen, daß er die Nase häufig in den Wust von Blättern, die vor ihm liegen, hineinstecken muß, ebenso wie er den ein oder anderen Einsatz ein wenig verbockt. Aber angesichts der Tatsache, daß er erst vor etwa drei Wochen zu Band gekommen war und hier seine erste Show mit BLOODBOUND absolviert, kann man über solche Problemchen hinwegsehen. In Zukunft wäre es natürlich für Kristian notwendig gewesen, solider zu werden, doch dazu soll es leider nicht kommen, denn etwas mehr als zwei Wochen nach dem Festival erklären BLOODBOUND die Sängersuche erneut für eröffnet, da man sich von Kristian getrennt hat. Doch zurück zum UFOR-Auftritt der Schweden, die hier natürlich mit der entsprechenden Maskerade aus..., äh auflaufen, die man sich ausgesucht hat, um die »Nosferatu«-Story optisch umzusetzen. Damit sind BLOODBOUND zwar die größten Weicheier unter den Pandabären dieser Welt und doch mit Abstand die bis dato härteste UFOR-Band.

Gary John Barden-Liveshot

Vor einigen Tagen hat Michael Schenker verkündet, daß er die MICHAEL SCHENKER GROUP zu den Akten gelegt habe, so daß Gary John Barden als Sänger der großen MSG-Zeit als Trostpflaster dienen kann. Doch zunächst legt Gary mit vier eigenen Songs los, während nach einem Gitarristenwechsel - offensichtlich ist der neue Mann, Chris Lyne von SOUL DOCTOR, ein wenig Schenker-kompatibler - MICHAEL SCHENKER GROUP-Songs zum Zug kommen. Obgleich Gary mittels der »Past And Present«-CD bewiesen hatte, daß er diesen Nummern durchaus noch gewachsen ist, verdeutlicht on stage schon die erste Nummer ›Cry For The Nations‹, daß Gary vor allem mit den hohen Parts seine Schwierigkeiten hat, so daß er gut dran tut, die Gesangslinien der nächsten MSG-Nummern seinem aktuellen Stimmumfang anzupassen. Doch das scheint nicht die einzige Schwierigkeit zu sein, die Gary in Bezug auf seine Vergangenheit hat, denn er sagt ›Attack Of The Mad Axeman‹ mit folgenden Worten an: "This next song was written by some German leadguitarist and I hope he is not here tonight...". Nach ›Armed And Ready‹ ist dann Feierabend - erstaunlicherweise zehn Minuten früher als eigentlich geplant, so daß Mister Barden und seine temporary hired guns (und zwar die komplette SCENES-Hintermannschaft, Chris Lorey (g), Hannes Farrenkopf (b), Florian Wenzel (k) und Hendrik Edelthalhammer (d), plus der ehemalige GALLERY-Klampfer Andreas "Foggy" Vockrodt, der wie erwähnt die vier Barden-Songs klampfen darf) nur 35 Minuten auf der Bühne stehen.

Kip Winger-Liveshot

Nächster Auftritt, nächster Solokünstler. Doch in diesem Fall ist es wirklich eine One-Man-Show: Kip Winger plus Klampfe haben zu einer Akustikshow geladen. Und Kip nimmt die Sache erfreulich gelassen: Er marschiert auf die Bühne, checkt einige Sekunden lang den Sound, um dann nahtlos ins Set überzugehen. Meister Winger erlebt den bis dato größten Zuschauerzustrom - wie man sieht schaffen es die Poser von dereinst doch ab und zu noch, ihren Nachttisch mit dem gehäkelten Deckchen für ein paar Stunden zu Hause allein zu lassen... Anyway - Kip singt und spielt gut, doch bei einer Spielzeit von knapp einer Stunde stellt sich bei mir ein wenig Langeweile ein - eine Einschätzung, die allerdings der Großteil des Publikums nicht teilen dürfte. Auf jeden Fall ist Kip Winger ein guter, alternativer Farbtupfer im UFOR-Programm.

Vaughn-Liveshot

Würde die Show von Danny Vaughn und seiner neu zusammengestellten Combo zu einem endlosen Warten auf Godot, äh den großen Hit werden? Im Gegenteil - zwar soll ›Forever Young‹ erwartungsgemäß die letzte Nummer im Set sein, aber nichtsdestotrotz sollen Vaughn die unangefochtenen Gewinner des Festivals werden: Mit einer enormen Spielfreude versteht die von einem, ob der Zuschauerreaktionen offenkundig gerührten und überwältigenden, Danny Vaughn souverän angeführte Truppe jeden mitzureißen; in besagter neuer Vaughn-Formation tummeln sich übrigens Tony Marshall (g, von CONTAGIOUS und auch kurzfristig bei PRIDE), Pat Heath (g, von der Band BRAVE NEW WORLD), Steve McKenna (b, von TEN), Lee Morris (d, ehemals bei PARADISE LOST und MARSHALL LAW), die auch die kommende Platte »Traveller« eingespielt haben. Man spielt eine Mischung aus alten VAUGHN-Solostücken und TYKETTO-Nummern, doch Danny nutzt die Gelegenheit, um beim Publikum auch einige Takte von »Traveller« anzutesten. Als dann endlich ›Forever Young‹ durch die Rockfabrik fegt, ist ein derartiges kollektives Hüpfen angesagt, daß man bei einigen der älteren Besucher ernsthaft Angst um die Hüftprothesen haben muß - aber es geht ohne Schaden aus, denn dieser Song wirkt offensichtlich auch heute noch wie ein Jungbrunnen.

MAD MAX-Liveshot

Keine Frage: Es ist enorm schwierig für MAD MAX nach dieser Performance auf die Bühne zu gehen! Doch ein Routinier wie Michael Voss schafft es, die Fans auch in dieser Situation zu animieren. Im Gegensatz zu den Auftritten mit Alice Cooper und DEEP PURPLE, wo man oft schon auf die Bühne mußte, als gerade mal der Einlaß begonnen hatte, treten MAD MAX heute ganz in weiß auf, womit sie keineswegs dokumentieren möchten, daß sie schnell von einem Ärztekongreß oder dem Treffen der Malervereinigung Hintertupfingen rübergeflitzt sind, sondern das neue Outfit ist dem Titel des neuen Albums »Night Of White Rock« sowie dem christlich-white rockigen Background der Texte angepaßt. Doch dies ist ein Punkt, der ein wenig sauer aufstößt: Waren die arg blauäugigen und naiven Texte schon auf der Platte nicht zu übersehen gewesen, so ist es doch ein wenig zu viel des Guten, wenn man nun zu einem "Holy, holy, holy"-Mitsingchor aufgefordert wird. Da sollte die Band beim nächsten Mal ihr durchaus lobenswertes Anliegen ein wenig wortgewandter verpacken.
Spontan - laut Michael Voss aufgrund des Eindrucks des Auftritts von Kip Winger - nehmen MAD MAX ›Bad Day In Heaven‹, den stärksten Song ihres Comebackalbums »Night Of White Rock«, der zuvor schon in instrumentaler Form als Intro gedient hatte, in einer Klavier/Vocal-Version ins Programm auf, bevor sie mit der SWEET-Coverversion ›Fox On The Run‹ den Set offiziell beenden - genau: Jene Nummer, die man auf »Night Of Passion« verbraten hatte und seinerzeit auch als Picture Disc erschienen war, für die eine Photosession mit dem damalige Playmate des Jahres eingestielt wurde; eine Anekdote, die Michael bei seiner Ansage kurz anreißt. Als Zugabe kommt in Form von ›Hearts On Fire‹ ein weiterer »Night Of Passion«-Song zum Zug. Leider jedoch geht die Band nicht noch weiter zurück, obgleich der ein oder andere Song von »Stormchild« oder »Rolling Thunder«, als die Band noch etwas härter zu Werke ging, das absolute Schmankerl gewesen wäre.
Anyway - auf jeden Fall ist Michael Voss somit jener Musiker, der von sich behaupten kann, bei beiden UFORs aufgetreten zu sein, da er bekanntlich beim Festivaldebut mit CASANOVA am Start gewesen war. Vielleicht schafft er es ja mit seinen weiteren Eisen im Feuer, die da SILVER oder DEMON DRIVE heißen, diesen Trend fortzusetzen...

HOUSE OF LORDS-Liveshot

HOUSE OF LORDS kommen beim "United Forces Of Rock" zu Glück deutlich besser als bei ihrem mäßigen Gig beim "Rock Of Ages"-Festival rüber. James Christian und seine neu angeheuerte Truppe, bestehend aus Basser Jeff Kent sowie Gitarrist Jimi Bell und Drummer B.J. Zampa (die beide übrigens bei der letzten THUNDERHEAD-BEsetzung von 1999 mitgemischt hatten) - leider jedoch ohne Greg Guiffria, der auf der aktuellen Platte »World Upside Down« seine Wiedereinstand gefeiert hatte - spielen deutlich tighter und es ist durchaus Bandfeeling zu spüren. Zwar kommt eine Menge Konservenware zum Zug, aber wie sonst sollten solche Endachtziger-/Frühneunziger Melodic-Hymnen wie ›Pleasure Palace‹ oder ›Sahara‹, bei denen ein gewisser Gene Simmons darauf geachtet hat, daß im Studio alles schööön aufgefettet wird, zu ihren Bombastchören kommen..? Darüber darf man indes nicht vergessen, daß James an diesem Abend wirklich prächtig singt.

PRETTY MAIDS-Liveshot

PRETTY MAIDS sind die nächste Band, die erst wenige Wochen zuvor auf deutschem Boden gastiert hatten, als man fürs "Bang Your Head!!!" als Nachzügler eingeladen wurde. Erneut mit Morten Sandager von MERCENARY als Gasttaster und dem neuen Drummer Allan Tsichaja, der bei ROYAL HUNT »Eyewitness« eingespielt hatte, damals aber nur als Gastmusiker aufgeführt wurde, kehren Paul Christensen alias Ronnie Atkins (gegenüber dem BYH deutlich kurzgeschoren!), Kenneth Hansen alias Ken Hammer und Ken Jacobsen alias Kenn Jackson in deutsche Gefilde zurück, um beim UFOR als Ersatz für TALISMAN zu fungieren, die offensichtlich beschlossen haben, daß sie nie in Deutschland spielen wollen: Die Band hatte nämlich vor Jahren schon ihren Auftritt beim "Z Rock"-Festival abgesagt und nun müssen TALISMAN erneut passen, da Jeff Scott Soto mit JOURNEY auf Reisen ist.
Nach einer reichlich langen Umbaupause stürzen uns die dänischen Maiden in eine Achterbahn der Gefühle: der Opener ›Back To Back‹ oder die Schlußnummer des Hauptsets ›Future World‹, die Zugabe ›Red, Hot And Heavy‹ oder die Lynott/Sykes-Komposition ›Please Don't Leave Me‹, die als Mitsingnummer zum Zug kommt, entfachen nämlich umgehend sehr gute Stimmung. Doch die Herren scheinen sich genötigt zu sehen, ihr kommendes Album »Wake Up To The Real World« heftig zu promoten und streuen etliche Songs ein, die nicht nur unbekannt sind, sondern großteils beim ersten Höreindruck eher einen schwachen Eindruck hinterlassen. Dadurch geht das Stimmungsbarometer leider immer wieder kräftig in den Keller - und läßt zudem nicht gerade viel von der neuen PRETTY MAIDS-Scheibe erwarten. Immerhin kommt zwischendurch Hasche, Mister Rockfabrik himself, der seit langen Jahren mit der Band befreundet ist, auf die Bühne, um den Muckern garantiert alkoholfreie Getränke zu servieren, so daß zumindest der benötigte Treibstoff, um die Show bei den mittlerweile recht saunamäßigen Temperaturen weiter durchziehen zu können, nicht ausgeht.

FAIR WARNING-Liveshot

Vor dem UFOR-Headliner FAIR WARNING erfolgt erneut eine lange Umbaupause, da wie schon vor PRETTY MAIDS ein kompletter Umbau der Bühne erfolgt, während die Bands zuvor großteils mit den gleichen Backline und dem gleichen Drumset gespielt hatten. Zusätzlich gibt es Probleme mit der Verkabelung des Monitormischpults, so daß FAIR WARNING erst um 1:10 Uhr auf die Bühne gehen und das Publikum dementsprechend schon kräftig dezimiert ist. Dummerweise soll im Gegensatz zum ersten UFOR, als sich der Feiertag Allerheiligen an den Festivaltag anschloß, der Tag der deutschen Einheit ein wenig zu spät kommen, so daß für viele in den Morgenstunden der Wecker klingeln würde. Zwar müssen FAIR WARNING nicht unter Ausschluß der Öffentlichkeit spielen, doch die Reihen haben sich extrem gelichtet und die Stimmung will sich nicht mehr arg aufheizen, so daß nur ein paar besonders getreue Recken kräftig mitmachen. Es kann kein Zweifel bestehen, daß alles anders ausgesehen hätte, wenn die Band wie im Plan vorgesehen eine Stunde früher auf der Bühne gewesen wäre. Zudem können die Monitorprobleme offensichtlich auch während der Show nicht komplett gelöst werden, denn Tommy Heart rennt während der ersten Hälfte des Auftritts in nahezu jeder gesangsfreien Phase zum Monitormischpult, um wild gestikulierend Anweisungen zu geben oder anscheinend gleich selbst Hand anzulegen. Dem Publikum gegenüber bemüht er sich als Profi natürlich nichts anmerken zu lassen, ebenso wie es rundum beachtlich ist, wie die Band trotzdem die teilweise fünfstimmig vorgetragenen Vocals meistert. Daher kann man den Hannoveranern eine sehr gute Show bescheinigen, die unter günstigeren Umständen zu einem Triumphzug hätte werden können.

Somit geht auch das zweite UFOR wieder zu nachtschlafender Zeit zu Ende und man kann trotz leichter Problemchen, die einfach nie zu vermeiden sind, rundum ein positives Resumée ziehen. Daher darf man hoffen, daß das "United Forces Of Rock" nun den entscheidenden Schritt hin zur festen Einrichtung geschafft hat und wir uns freuen dürfen, daß 2007 wieder Melodie mit Klasse durch die RoFa-Räumlichkeiten strömen wird.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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