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Ken Hensley
CIRCLE OF HANDS
BLIES BLUES BAND
DOUBLE D

Homburg, Waldbühne

11.08.2006

Ein toller Nachmittag Mitte August: Nieselregen und unter 20 Grad - ideal für ein Open Air Konzert... Das Praktische daran: auch wenn der Parkplatz des Waldstadions als Parkplatz ausgeschildert ist, kann man sich lässig 500 der 600 Meter Fußweg sparen und fast direkt am Einlass sein Auto in den Waldweg versenken. Zumindest wenn man mutig genug ist und keine Angst vor dem Matsch hat... Die Waldbühne ist nämlich ein Mini-Amphitheater, etwa 50 Meter im Wald.
Offensichtlich ist der Zeitplan deutlich nach hinten gerutscht, denn unsere Überlegung "Wenn wir spät genug kommen, müssen wir die für ab 17 Uhr angekündigten Vorbands nicht ertragen" erweist sich als falsch. Von der ersten Band müssen wir gegen 19 Uhr noch drei Songs überleben (viel mehr hätte ich auch nicht ertragen), aber die zweite stellt sich als sehr gut (v)erträglich heraus: Es gibt Coverbands, die Songs Note für Note exakt nachspielen. Es gibt Coverbands, die spielen Songs so, daß man das Original nicht mehr erkennt. Und es gibt Coverbands, die spielen die Songs so, daß zwar jeder mitsingen kann, die Songs aber trotzdem eine eigene Note verpaßt bekommen. Glücklicherweise gehört die BLIES BLUES BAND, die als zweite Band nach DOUBLE D auftreten, zu letzteren. (Für Nicht-Saarländer: die Blies ist ein knapp 100 Kilometer langes Flüßchen, das sich von Nord nach Süd durch den Osten des Saarlands schlängelt, dabei passiert es diverse Städtchen, aus denen die Musiker offensichtlich stammen).
(Er-) Kennen tue ich mal nur einen: Sänger Udo Oster ist Inhaber vom Plattenladen GIMMIX in Saarbrücken... Nach einer mittellangen Suchmaschinen-Odyssee bin ich immerhin auf der Website des Gitaristen Jürgen Rath gelandet, der ich jetzt mal die Namen der anderen Mitstreiter entnehme: Reinhard Blau (b) sowie Roman Grzyb (d). Die Setlist besteht größtenteils aus "Klassikern" der 40er bis 70er Jahre, die jeweils schon diverse Coverversionen erlebt haben: ›Suzie Q‹, ›Mustang Sally‹, ›Cocaine‹, ›Route 66‹... Schon dort blitzt die Vorliebe des Gitaristen für Gary Moore und Ritchie Blackmore hin und wieder auf. Ganz besonders deutlich wird das aber bei den letzten Songs: "Parisienne Walkaways/Still Got The Blues" (angekündigt als "Nein, das ist nicht von SANTANA" - woraufhin der Sänger erst mal von der Bühne verschwindet und durch die Reihen der noch artig sitzenden Zuschauer wandelt). Dann wird es kurzzeitig mit dem Hinweis "Es gab da in den Siebzigern immer so einen Kampf, ob man nun URIAH HEEP-Fan war oder eben diese Band mochte." etwas rockiger: ›When A Blind Man Cries‹ der wohl blueslastigste Song in der Geschichte von DEEP PURPLE (Single-B-Seite von 1972, seit ein paar Jahren zu neuen Ehren in deren Setlist gekommen). Dann kommt noch ein Klassiker, der durch Gary Moore in seiner Bluesphase gecovert wurde - ich glaube, mich daran zu erinnern, daß es ›Walking By Myself‹ war.
Die vergleichsweise starken Zugabe-Forderungen werden mit einer weiteren Seitenhieb-auf-URIAH HEEP-Ansage erfüllt und es folgt ›Black Night‹ (von DEEP PURPLE, Single-A-Seite von 1970). Alles in allem eine recht angenehme "örtliche Vorgruppe", die ihre gut einstündige Spielzeit kurzweilig füllt. Bei den Songs wirken die Herren zumindest relativ homogen und gut eingespielt - nur zwischen den Songs sollten sie noch ein bißchen üben. Wenn jeder ein Mikro hat, könnte man das vielleicht auch für Ansagen oder Bandvorstellungen nutzen, wenn der Sänger gerade seine Kehle ölen muß...
Unter normalen Umständen würde ich die Darbietung von CIRCLE OF HANDS als "ganz nette Coverband" bezeichnen... Leider kündigen sie sich aber in der Werbung und durch das Personal am Eingang als die ultimativ besten und größten und überhaupt viel originaleren als URIAH HEEP heute an. Und das ist absoluter Blödsinn! Das einzige, was da "originaler" ist, ist die Orgel (URIAH HEEP nutzen in den 25 Jahren seit Ken Hensleys Ausstieg "nur noch" Keyboards/Synths) und deren Bediener ist auch tatsächlich gut. Schlagzeuger, Gitarist und Sänger haben weder optisch noch akustisch besondere Ähnlichkeit mit den Herren, denen sie angeblich so ähnlich sind und besitzen leider auch keinerlei eigene Ausstrahlung. Letzteres hat immerhin der Bassist zu bieten - allerdings hat der ja auch den Vorteil, nicht eine konkrete Person (für Erbsenzähler: die vier ersten Schlagzeuger der ersten drei Jahre der Bandgeschichte zählen nicht - erstens kennt die keiner mehr und zweitens können sie auch mit Nummer 6 zusammen nicht gegen die über 30 Jahre von Nummer 1=7 anstinken...) "darzustellen", da URIAH HEEP im fraglichen Zeitraum gleich fünf davon hatten...
Die CIRCLE OF HANDS-Setlist besteht aus 17 Songs der ersten acht URIAH HEEP-Alben der Jahre 1970 bis '75, davon zwölf allein aus den vier (!) Alben von 1971/'72. Dazu kommt noch ein Song aus dem elften Album von 1977 (mit dem zweiten Sänger John Lawton). Die ersten neun Songs werden erst mal allein dargeboten: ›Look At Yourself‹ (1971: »Look At Yourself«), ›Sunrise‹ (1972: »The Magician's Birthday«), ›Stealin'‹ (1973: »Sweet Freedom«), ›Circle Of Hands‹ mit "Wir heißen nicht nur so, wir spielen es auch!" kommentiert (1972: »Demons And Wizards«), ›Rainbow Demon‹ (1972: »Demons And Wizards«), ›Traveller In Time‹ (1972: »Demons And Wizards«), ›I'll Keep On Trying‹ (1970: »Very 'aevy, Very 'umble«), ›Bird Of Prey‹ (1971: »Salisbury«), ›Return To Fantasy‹ (1975: »Return To Fantasy«).
So weit wird das Programm vom Publikum wohlmeinend aber nicht allzu enthusiastisch aufgenommen. Soll heißen: Der Großteil klebt immer noch auf den Sitzen. Erst als der Held des Abends (der übrigens während des Sets der BLIES BLUES BAND halbwegs unbehelligt das Gelände durchquert hatte...) die Bühne erklimmt, wird der Platz davor nennenswert bevölkert. Die zweiten neun Songs werden mit Ken Hensley (beim ersten Album war er nur Organist, ab dem zweiten bis 1980 und dem dreizehnten Album dann Hauptsongschreiber, Zweitgitarrist und Zweitsänger) intoniert. Zum Warmspielen bleibt Ken Hensley erst einmal relativ unauffällig an der zweiten Gitarre und steuert nur ein bißchen Backgroundgesang bei: ›The Wizard‹ (1972: »Demons And Wizards«), ›Free Me‹ (1977: »Innocent Victim«), ›Tales‹ (1972: »The Magician's Birthday«.
Auch wenn »Free Me« für mich weiterhin einer der schlechtesten Songs bleibt, die URIAH HEEP jemals als Single herausgebracht haben - es wird mal wieder klar, warum er so populär ist. Ganz untypisch für diese Band hat dieses Liedchen schließlich kaum Aussage und dafür aber einen dauerwiederholbaren und leicht mitzusingenden Refrain...

Ken Hensley-Liveshot

Danach wechselt Ken Hensley "endlich" an das Instrument, für das er berühmt wurde: die Orgel und spielt ›The Easy Road‹ (1974: »Wonderworld«). Aus den Konzertankündigungen war nicht schlüssig zu entnehmen, ob Ken Hensley nur mit der Band auftritt, oder ob er auch einen Solo-Part von sich geben würde. Glücklicherweise tut er es - wenn auch nur sehr kurz. Nachdem er (am Tag vorher aus Südspanien eingeflogen...) am Anfang schon nach Handschuhen ("They won't effect my playing anyway!") gefragt hatte, stellt er noch mehrmals fest, daß es nicht wirklich warm auf der Bühne sei. Im Publikum ist es übrigens auch nicht wärmer - nur nasser.
Nach ›Through The Eyes Of A Child‹ (1975: »Eager To Please«, Kens zweites Soloalbum) hat Ken leider die in Anbetracht der Wetterlage ziemlich blöde Idee, den Song, den er zwar für URIAH HEEP geschrieben, aber dann kurz darauf noch mal neu solo aufgenommen hat, zu spielen: ›Rain‹ (1972: »The Magician's Birthday« und 1973: »Proud Words On A Dusty Shelf«, Kens erstes Soloalbum) Und prompt fängt es an, richtig zu regnen...

Ken Hensley-Liveshot

Es folgt noch mal eine etwas unschlüssige Ansage, daß er gern Balladen spiele, obwohl er wüßte, daß das Publikum lieber rockigere Songs hören wolle. Den nächsten Song widmet er seiner Frau, die seit dem Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr gern fliegt - und am Vortag (dem Tag, an dem die Nachrichten von den versuchten Anschlägen in London dominiert wurden) beschlossen habe, zu Hause zu bleiben. Siehe übrigens Kens News-Eintrag vom 15. August 2006 auf seiner Homepage, dort gibt es auch eine sehr knuffige Schilderung der Stadt Homburg ;-). Der folgende Song ist allein schon wegen seines fehlenden Alters eine Besonderheit im Programm: ›I Close My Eyes (2002: »Running Blind«, Kens aktuelles Soloalbum).
Nun kommt die Band wieder auf die Bühne und es gibt vier Megahits zu hören und zu sehen: ›July Morning‹ (1971: »Look At Yourself«), ›Gypsy‹ (1970: ›Very 'eavy, Very 'umble«), ›Easy Livin'‹ (1972: »Demons And Wizards«), ›Lady In Black‹ (1971: »Look At Yourself«) und als Zugabe dann noch ›Tears In My Eyes‹ (1971: »Look At Yourself«).
Damit sind knapp zwei Stunden mit "The Music of URIAH HEEP" also beendet und es bleibt ein irgendwie seltsamer Beigeschmack. URIAH HEEP sind ja selbst noch mit den alten Songs konstant auf Tour (ich selbst habe sie in den letzten 14 Jahren 14 mal gesehen), gerade 13 Tage vorher waren sie auf dem "Rock Of Ages"-Festival zu Gast. Dort haben sie nicht nur acht der 18 Songs ebenfalls gespielt, sondern die selben vier auch als Block am Ende der Setlist. Auch Ken Hensley habe ich live schon zweimal mit eigener Band erlebt und fand ihn dort im eingespielten Team eindeutig besser. Als Gast der Hamburger Coverband EASY LIVIN' (die für den großen Event sogar ihren Ex-Bassisten Markus Großkopf zeitweilig wieder einwechselten) anno Mai 2001 wirkte er nicht so sehr als Fremdkörper wie bei CIRCLE OF HANDS. Weder mit dem Gitaristen noch mit dem Sänger fand nennenswertes Zusammenspiel statt - nur der Organist strahlte wenigstens jedes Mal, wenn er seinem Idol auf die Finger sehen durfte...
Das Highlight des Abends waren jedenfalls eindeutig die beiden Songs, die Ken allein an der Orgel spielte (›Through The Eyes Of A Child‹ und ›Rain‹), auch deshalb, weil das zwei der drei UH-Songs sind, bei denen ich mir sicher bin, sie von UH in den letzten Jahren nicht gehört zu haben. Und nach dem Studium der Soundclips auf der CIRCLE OF HANDS-Homepage bin ich zumindest froh, daß die Location nicht zum Anlaß genommen wurde, ›The Park‹ zu intonieren!


Catrin Thul

Photos: Stefan Glas


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