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Titel: Demoklassiker
Dekolinie
Episode 7

Wir machen dort weiter, wo "Star Wars" besser geendet hätte: die siebte Episode unserer "Demoklassiker"-Reihe. Nach mehr als fünfjähriger Zwangspause nehmen wir den Faden auf und werden ihn dezenter, aber regelmäßig weiterspinnen. Will heißen, daß pro Episode nur sechs Tapes vorstellt werden, jedoch jede neue Ausgabe eine neue "Demoklassiker"-Episode offenbaren wird.


kapitaler Anfang...eginnen wir mit einem neuzeitlichen Klassiker: Die Italiener RHAPSODY haben mit nur zwei Platten einen dermaßen atemberaubenden Aufstieg erlebt, daß ihr »Eternal Glory«-Demo nur fünf Jahre nach Veröffentlichung zu den Grundsteinen eines Stil gezählt werden muß, der sich heute großer Beliebtheit erfreut: der Fantasy oder Epic Metal.

RHAPSODY [I]-Democover

Dabei war auf »Eternal Glory« noch nicht alles eitel Sonnenschein - ganz gleich, was uns das perfekte Artwork glauben machen wollte: Der damalige Sänger Cristiano Adacher war eher ein Beitrag zum Thema "Kopfstimmenkräher mit Nervpotential" und die Songs waren noch nicht aufs i-Tüpfelchen ausgereift. Andererseits: Bei welcher Band ist das auf dem ersten Demo schon der Fall? Und schließlich war die Band erst zwei Jahre zuvor von Mastermind Luca Turilli unter dem Namen THUNDERCROSS gestartet worden. Doch Perfektion erreichten RHAPSODY erst durch den Zugang von Sänger Fabio Lione und das meisterliche Producerhändchen von Sascha Paeth.
Dennoch offenbarte »Eternal Glory« dem aufmerksamen Hörer das schwelende Genie von RHAPSODY: Alle sieben Songs fesselten mit intensivem Riffing und erhebenden Melodien. Auf den ersten Blick gelang es nur ›Warrior Of Ice‹ und ›Land Of Immortals‹ den Pfad zum Debutrundling »Legendary Tales« zu beschreiten, doch wenn man die Songs vergleicht, wird man feststellen, daß ›Invernal Fury‹ in Form von ›Rage Of The Winter‹ und ›Alive And Proud‹ als ›Lord Of The Thunder‹ ein Plätzchen gefunden haben. Desweiteren tauchte der Demotitelsong auf dem zweiten Album »Symphony Of Enchanted Lands« auf. So bleibt die Hoffnung, daß die verwaisten Demosongs ›Holy Wind‹ sowie das Instrumental ›Tears At Nightfall‹ eines Tages zumindest als Bonussongs Verwendung finden werden.


kapitaler Anfang...ach diesem New Age-Trip ist es Zeit, viel weiter zurückzugehen: zu den Helden von HELSTAR - leider jedoch nicht ganz so weit, wie es theoretisch möglich wäre. Inwiefern es überhaupt noch lebende Exemplare des '83er HELSTAR-Demos gibt entzieht sich meiner Kenntnis und daher greifen wir zu jenem Tape, das die Texaner acht Jahre später, nach dem ersten großen Breakdown der Band eingespielt hatten: Nach dem Verlust des Plattenvertrages nach dem vierten Album »Nosferatu« war dieses Demo der letzte Versuch des klassischen HELSTAR-Gespanns Rivera/Barragan, die Band wieder auf die Beine zu stellen. Wie wir alle wissen, scheiterte der Versuch und James Rivera führte mit neuer Mannschaft die Band unter dem Namen VIGILANTE weiter (und veröffentlichte ebenso ein Demo, das... aber dazu später mehr!) bevor er für die fünfte und letzte Scheibe »Multiples Of Black« wieder auf den ursprünglichen Bandnamen umschwenkte. Wer den Kuddelmuddel aus jenen Tagen gern genauer erklärt haben möchte, bekommt im Interview in UNDERGROUND EMPIRE 7 von James Rivera alles haarklein auseinanderdividiert.

HELSTAR-Democover

Das »Demo '90« erschien hierzulande beim DEMOLITION-Tapelabel von Oliver Jung (where are you now?!?) und enthielt in der hier zu sehenden zweiten Auflage neben vier neuen HELSTAR-Nummern zwei Livemitschnitte der Songs ›Run With The Pack‹ und ›Lights Out‹ (klaro - eine Coverversion des UFO-Songs) von einem Konzert, das 1983 in Houston über die Bühne ging - höchstwahrscheinlich eine eigenmächtige Handlung von Oliver Jung, von der die Band nichts wußte. Die vier Stücke ›Social Circle‹, ›Sirens Of The Sun‹, ›Changeless Seasons‹ und ›The Scalpel & The Skin‹ blieben hingegen allesamt unveröffentlicht, was besonders eine wahre Schande im Falle der Überballade ›Changeless Seasons‹ ist, die zwar für das VIGILANTE-Demo überarbeitet wurde, dabei aber... - doch, wie schon gesagt: Dazu später mehr!


kapitaler Anfang...nkel The Rod von KNIGHTMARE II war der ungekrönte König des Recyclings. Er praktizierte dies schon lange bevor diese Idee mit dem Grünen Punkt ad absurdum geführt wurde: Mit einer Handvoll Songs schaffte er es, einen ganzen Plattenschrank zu füllen. Gerade mal 18 Songs befinden sich auf den fünf offiziellen Vinylveröffentlichungen von The Rods Band KNIGHTMARE II - da können sogar gewiefte Marketingstrategen von so mancher Majorfirma noch etwas lernen...

KNIGHTMARE II-Democover

Zwar scheint es, als würde dieser massive Vinylbefall Demokassetten überflüssig machen - doch mitnichten: KNIGHTMARE II können auch auf ein ganzes Bataillon Demos zurückblicken, die selbstverständlich zum größten Teil besagte 18 Stücke kompostieren. Daher soll an dieser Stelle kein bestimmtes Tape in den Vordergrund gestellt werden, zumal sie - wenn überhaupt - ein und dasselbe Standardcover trugen. So erschienen beispielsweise 1984 zwei Tapes, 1986 und '87 folgten jeweils ein weiteres; doch dies sind gewiß nicht alle; die anderen haben nie eben nie den Weg in den UNDERGROUND EMPIRE-Hort gefunden.
Dennoch sind KNIGHTMARE II eine Neuheit in unserer Rubrik: Während viel zu viele der klassischen Demosongs unveröffentlicht geblieben sind, hat The Rod sie zur Sicherheit für die Nachwelt doppelt und dreifach in Vinyl ätzen lassen.


kapitaler Anfang...inwand berechtigt! Eigentlich war die »It Hurts«-Single ein kultigeres Objekt als das »Nothing Is Impossible«-Demo, doch der Winz-Rundling würde hier unter die Kategorie "Thema verfehlt" fallen. Ergo halten wir uns an das um ein Jahr ältere Demo von 1988. Und das fördert das Gag-Potential der Dortmunder Combo deutlich genug zutage: Zwar reitet Lügenbaron Münchhausen hier noch auf einer normalen Kanonenkugel daher, während er später ein motorbetriebenes Geschoß zur Verfügung gestellt bekam, doch allein die Künstlernamen der Musiker (von "The Duke" über "Manu Coin", "Steven Yes" und "Be-Hart" bis "Dipzy Vic") machten deutlich, daß LIAR keine bierernsten Zeitgenossen waren.

LIAR [D]-Democover

Auf den Seiten "lie" und "untrue" verteilten sich vier Songs, die auch auf dem Debut »Nothing But The Truth« Einlaß fanden: neben dem späteren Singletitelsong die Nummern ›Run For Me‹, ›Batman‹ und ›War (Is No Solution)‹. Letztere beiden dokumentieren auch den schizophrenen Charakter der Band: Während ›War (Is No Solution)‹ schon im Titel sein Anliegen verdeutlichte, erzählt ›Batman‹ von "Danger over Gotham City", die man mit dem inständigen Flehen "Batman save us!" quittierte. Lediglich das Shakehands zur Eröffnung der Kassette ›Hello‹ und der Schlußgag ›The Truth‹ mußten sich (logo...) mit ihren Kassettenehren bescheiden.


kapitaler Anfang...IAMAT gehören zu den kreativsten und wandlungsfähigsten Bands der Szene. Kaum eine andere Band hat (stilistisch) solch einen weiten Weg zurückgelegt wie Johan Edlund und sein mehrfach ausgewechseltes Team. Wer das '91er Debut »Sumerian Cry« kennt, weiß, daß TIAMAT zu Anfang dem oberflachen Death Metal huldigten, bevor sie mit »The Astral Sleep« die Wegweiser für eine prickelnde Zukunft setzten. Am 9. und 10. November 1990 hatten sich die Schweden mit Thomas Skogyberg im "Sunlight Studio" verrammelt und die Songs ›A Winter Shadow‹ und ›Ancient Entity‹ aufgenommen, die unter dem Namen »A Winter Shadow« das Licht der Welt erblicken sollten.

TIAMAT-Democover

Zum Glück geschah dies nicht unter dem alten Bandnamen TREBLINKA (bekanntlich war Treblinka der Name eines KZs in der Nazizeit), da Mister Hellslaughter (der "Künstlername" unter dem Edlund zu jenem Zeitpunkt operierte) sich noch rechtzeitig zu einem Namenswechsel entschlossen hatte.
Da beide Demostücke in etwa das gleiche Niveau besitzen, wie die »Sumerian Cry«-Nummern ist es sicherlich kein Verlust, daß sie unveröffentlicht blieben. Dennoch stellt »A Winter Shadow« den ersten Schritt (oder zumindest das erste Stolpern...) einer Band dar, der wir etliche aufregende Klangerlebnisse verdanken.


kapitaler Anfang...ie im Leben hätte ich mir träumen lassen, daß aus dieser Demoband ein solcher Weltklasseact erwachsen würde. Doch das ist nicht verwunderlich: Zum einen waren die Kompositionen durchschnittliche Power Metaller, die ein wenig mit rauhem Thrashcharakter hausieren gingen. Außerdem fehlte damals noch ein superwichtiges Element, ohne das CONCEPTION niemals zu der Faszination hätten gelangen können, die sie auszeichnete: Auf beiden Demos sang noch (mehr schlecht als recht) Dag Østby, der Bruder von Gitarrist Tore, während Gesangsmagier Roy S. Khantatat, alias Khan, erst auf der Debutplatte »The Last Sunset« ins Spiel eingriff.

CONCEPTION-Democover

Obwohl CONCEPTION auf »The Last Sunset« noch nicht das aufbieten konnten, was sie auf »Parallel Minds« in schwindelerregender Brillianz abfeuerten, ist es dennoch verständlich, daß keiner der zehn Songs, die auf beiden CONCEPTION-Demos verteilt wurden, für die Rundlichkeit berücksichtigt wurden, da sie unüberhörbar eine Evolutionsstufe niedriger stehen.
Beide Tapes erschienen im Jahr 1990, doch wir haben uns für das Cover des 8-Trackers entschieden, für das der Bleistift eines Bandkumpels herhalten mußte...

Und nicht vergessen: Episode 8 kommt bestimmt!


Stefan Glas


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