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"Noisegate-Festival" 2006
mit

Doro
SONATA ARCTICA
CRUCIFIED BARBARA
ALTARIA
COURAGEOUS
T-BONE

Langen, Stadthalle

13.05.2006

Als Abschluß der diesjährigen Doro-Tour fungierte das "Noisegate Festival" in Langen, für das das Tour-Line-up kräftig aufgefettet wurde, so daß statt drei eben mal locker sechs Bands abrocken sollten.
Meine Wenigkeit sollte jedoch den Opener T_BONE und die Local Heroes COURAGEOUS leider verpassen, denn ich traf in Langen ein, als die unlängst um ein "e" aufgestockte Truppe sich dem Ende ihres Sets näherte und zudem gerade ein fulminanter Regen- und Hagelschauer herunterging. Daher stand ich vor der Wahl, entweder klatschnaß noch einige Minuten COURAGEOUS zu sehen oder stattdessen am Autoradio mitzuerleben, wie der 1. FC Kaiserslautern aus der ersten Fußballbundesliga absteigt, womit endgültig eine Ära in der Pfalz zuende geht und der Sturz des 1. FCK in die Bedeutungslosigkeit wohl nicht mehr aufzuhalten ist - denn: Ein Wunder wie anno 1997/'98 mit dem direkten Wiederaufstieg und dem anschließenden Meistertitel wird es gewiß nicht mehr geben.

ALTARIA-Liveshot

Doch zurück zum metallischen Thema: Nach der Umbaupause darf die erste finnische Kapelle des Billings an die Front, denn ALTARIA konnten im Vorprogramm von Doro ihre langersehnte erste "echte" Tour absolvieren. Diese kommt jedoch leider zum falschen Zeitpunkt, weil das aktuelle Album »The Fallen Empire« um Längen hinter dem großartigen Vorgänger »Divinity« und auch dem gelungenen Erstling »Invitation« zurückstehen muß. Doch glücklicherweise hat die Band ihre Setlist quasi gedreiteilt, so daß alle Alben nahezu gleich stark zum Zuge kommen - und siehe da: Die »Divinity«-Songs ›Prophet Of Pestilence‹, ›Will To Live‹ und ›Darkened Highlight‹, die gegen Mitte des Sets auftauchen, kommen am besten rüber und erhalten am meisten Feedback vom Publikum: Während die Band am Showanfang nur sehr wenig Applaus einstreicht, soll ab diesem Zeitpunkt die Stimmung deutlich besser werden. Dennoch hinterlassen ALTARIA nur einen flauen Eindruck, denn auf der Bühne ist kaum Bewegung zu verzeichnen und Sänger Taage Laiho wirkt doch eher dank seiner großartigen Stimme als aufgrund seiner Qualitäten als Frontmann. Eindeutig: Die Band muß dringend an ihren Livequalitäten arbeiten und natürlich muß die nächste Platte wieder ein Volltreffer sein.
Schade zudem, daß sich zum heutigen Tourabschluß nicht SONATA ARCTICA-Gitarrist Jani Liimatainen, der bis kurz zuvor bei ALTARIA gespielt hatte, nicht für einen Kurzbesuch auf der Bühne einfindet.

CRUCIFIED BARBARA-Liveshot

Wie man sich als Liveband steigern kann, demonstrieren CRUCIFIED BARBARA: Die vier Schwedenschnuckels, die im letzten Jahr bei ihrem Auftritt beim "Sweden Rock Festival" noch etwas verschüchtert und unsicher gewirkt hatten, hinterlassen nun ein ganz anderes Bild. Man merkt eindeutig, daß die Band in den letzten Wochen einige Gigs in Folge abgerissen hat und sich daher auf der Bühne heimischer denn je fühlt. Daß die Truppe auch ansonsten nicht faul war, zeigen die neuen Songs, die man ins Programm eingebaut hat; aber auch bei den Neulingen bleibt festzustellen, daß das Songmaterial von CRUCIFIED BARBARA nach wie vor nur "ganz nett" ist, während die vier hübsch anzuschauende Mädels, die auf der Bühne immer besser rocken, unbestritten ein gutes Argument sind, von dem die Truppe gewiß noch zehren kann. Schließlich waren es in der Rockhistorie nicht immer die Bands mit den besten Songs, die Erfolge einheimsen konnten. Oder wie sollte man sonst die Karriere einer Band namens KISS erklären? Von den Herren Simmons, Stanley & Co. packen CRUCIFIED BARBARA übrigens - gerade so als wollten sie diesen Gedankengang abrunden - die Nummer ›Shout It Out Loud‹ ebenso wie MOTÖRHEADs ›Killed By Death‹ als Coverversion auf ihre Setlist.
Erstaunlich ist bei CRUCIFIED BARBARA zudem, wie hervorragend die Band "konstruiert" ist, so daß man glatt meinen könnte, hier hätte ein halbverwestes Großhirn aus einer der unsäglichen TeeVau-Castingshows bei der Musikerinnenzusammenstellung mitgemischt: In der vorderen Reihe erspäht man bei CRUCIFIED BARBARA nämlich die zierliche, elfenhafte Prinzessin, den Kumpeltyp zum Pferdestehlen, sowie den Vamp, drall und leicht verrucht. Die extakte Zuordnung der einzelnen Mädels zur passenden Rolle überlasse ich Euch und schreite lieber zum Finn-Melodic-Beitrag 2 voran...

SONATA ARCTICA-Liveshot

SONATA ARCTICA haben sich auf dieser Tour offensichtlich in die Form ihres Lebens gespielt, denn beim "Noisegate Festival" ist die mit Abstand stärkste Show, die ich bis dato von der Band gesehen habe, fällig - daran kann auch Tonys stilsicheres Outfit, das verblichene Modedesigner zum Leben erweckt hätte und Schotten vor Scham ins Grab hätte fallen lassen, nichts ändern. Gepaart mit den Brauntönen des offiziellen Tourshirts, das er an diesem Abend trägt, sprengt das rot-grüne Schottenmuster alle Pupillen, die sich unvorsichtigerweise auf mehr als einen Meter nähern...
Überhaupt muß man feststellen, daß das Shirtmotto, das der unlängst veröffentlichten »End Of This Chapter«-Best Of-CD entstammt (wie ja auch schon ein Songtitel von »Silence« gelautet hatte), quasi programmatisch ist, denn für die Band stehen jetzt die Arbeiten an einem neuen Album an und man darf gespannt sein, wohin die Reise für SONATA ARCTICA gehen wird. Es wäre natürlich zu hoffen, daß sich die Band wieder auf ihre alten Stärken besinnt; Nahrung erhält diese Hoffnung durch die Tatsache, daß die Finnen an diesem Abend erstaunlich viele Songs von ihren ersten beiden Alben »Replica« und »Silence« spielen, auf denen die Band eben jene Stärken perfekt ausgelebt hatte.
Auch SONATA ARCTICA bedanken sich, wie zuvor schon ALTARIA, bei allen, die im Tourtroß mitreisen und werden im Gegenzug bei der Zugabe von ihrer Crew besucht, die lediglich mit Unterhosen und echt tierischen Masken bekleidet sind.
Nach diesem spaßigen Showende der Finnen steht schließlich Doro und ihre Rasselbande an, die sich über eine erfolgreiche Tour mit einem guten Zuschauerschnitt freuen dürfen, was belegt, daß Doro so beliebt wie eh und je ist. Schade nur daß an diesem Abschlußabend die Zuschauerzahl verhältnismäßig klein ist - unverständlich, vor allem wenn man bedenkt, daß das eigentliche Tourbilling um attraktive Bands aufgestockt worden war.

Doro-Liveshot

Doch davon läßt sich die unumstrittene Metal Queen natürlich nicht aus dem Konzept bringen und legt powervoll mit ›Earthshaker Rock‹ und ›I Rule The Ruins‹ los, bevor sich dann von der neuen, sehr starken »Warrior Soul«-Platte die Nummer ›You're My Family‹ anschließt, jener Song, in der Doro auf ihre unnachahmliche Weise ihr Zugehörigkeitsgefühl zu ihren Fans ausdrückt. Gewiß mag Doro dies mit einer gewissen Gebetsmühlenhaftigkeit tun, aber wer die zierliche Düsseldorferin kennt, weiß daß jede Silbe davon ehrlich ist und aus ihrem Herzen stammt, was Doro so sympathisch macht, so daß man ihr wirklich jedes Fünkchen ihres Erfolgs gönnt.
Ihre Mucker sorgen derweil für amtliches Feuer, ohne das auch eine Metal Queen verloren wäre, so daß die Fans sich über eine gute Show freuen können, in der natürlich Songs wie ›Burning The Witches‹, ›All We Are‹, ›Hellbound‹ oder ›Für immer‹, mit dem ich fast 20 Jahre nach Erstveröffentlichung immer noch nicht klarkomme, nicht fehlen dürfen.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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