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  UE-Home → History → Online Empire 26 → Interview-Übersicht → POWERWOLF-Interview last update: 23.04.2017, 19:17:09  

POWERWOLF-Logo

Aus dem Nichts, oder besser gesagt aus Transsylvanien, erschien vor einigen Monaten ein weiterer "Wolf" in der Welt des Heavy Metal. Mit »Return In Bloodred« hat dieses Raubtier, das POWERWOLF genannt wird und mühelos einen Platz in den Annalen der Rockmusik zwischen ähnlich genannten Formationen wie WOLF, WOLF'S MOON, WOLFEN und anderen, älteren Exemplaren seiner Art wie WHITE WOLF oder WOLFSBANE erhalten wird, ein feines Debutalbum abgeliefert. Selbiges überzeugt mit unterhaltsamen Horror-Geschichten ebenso wie mit traditionellen, teilweise aber recht düster gehaltenen Klängen, die allesamt schwer ohrwurmstichig aus den Boxen tönen.

POWERWOLF-Bandphoto 1

Sänger Attila Dorn, der rumänische Sänger dieser ansonsten deutschstämmigen Band, war so frei um uns mit diesem Tierchen über das Telefon bekannt zu machen - mit seinem ganz besonders unterhaltsamen Akzent, den man aber leider nicht wiedergeben kann.

POWERWOLF-Headline

Laß' doch bitte einmal die Historie der Band revuepassieren. Es gibt zwar recht detaillierte Geschichten dazu, aber ich bin nicht sicher, ob da nicht einiges erfunden ist.

Dazu muß ich doch ein wenig ausholen. Ich stamme aus Rumänien und bin ausgebildeter Opernsänger. Bei uns war es recht schwierig, an Rockmusik zu gelangen, das Regime war immer dagegen, derlei Produkte zuzulassen. Doch eines Tages waren in meiner Stammkneipe zwei deutschsprachige Typen anwesend, die sich später als Brüder entpuppten und von einer Band schwafelten. Die Jungs, Matthew und Charles Greywolf, waren zunächst ein wenig irritiert, daß sie plötzlich an ihrem Tisch Gesellschaft bekommen hatten und vor allem, daß ich sie solange penetriert hatte, bis sie mir ihre Telefonnummer gaben. Mir hat ihre Idee von einer Band sehr imponiert und ich wollte unbedingt auch in einer singen. Mein Glück ist, daß ich recht gut Deutsch spreche, von daher ist diese Barriere zwischen diesen Jungs und mir schon einmal weggefallen. Ich hätte auch gerne ihre Gesichter gesehen, als sie wieder zu Hause waren und auf ihrem Anrufbeantworter meine Nachricht hörten, daß ich nach Deutschland kommen würde und mit ihnen proben wollte [lacht]. Danach ging alles recht schnell. Schon bei der ersten Probe sind erste Songideen entstanden, die im Endeffekt auf »Return In Bloodred« zu finden sind.

POWERWOLF-Einzelshot: Attila Dorn

Aha. Klingt aber immer noch nicht ganz einfach nachvollziehbar. Ist denn "Greywolf" wie sich Matthew (g) und Charles (b) nennen, ein Künstlername oder hat es etwas anderes damit auf sich?

Greywolf ist der Familienname der beiden Knaben. Der Name klingt für Deutschland vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber so viel ich weiß, stammt ihr Urgroßvater aus England. Mir persönlich hat dieser Name derart gut gefallen, daß ich nicht daran vorbei konnte den Begriff "Wolf" auch für unseren Bandnamen zu verwenden.

Etwas eigenartig finde ich auch die Tatsache, daß Ihr bislang weder mit Demos, noch in irgendeiner anderen Form in Erscheinung getreten seid.

Wir gehören nun einmal nicht unbedingt zu dieser so genannten "Underground"-Szene. Wir haben uns so lange im Probraum eingesperrt, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, um in Erscheinung zu treten. So gesehen paßt auch der Wolf ganz gut zu uns, denn ein Wolf pirscht sich lange Zeit an sein Opfer heran, ohne bemerkt zu werden, um dann zuzuschlagen und sein Opfer zu packen. Mit »Return In Bloodred« haben wir es ähnlich gemacht [lacht].

POWERWOLF-Einzelshot: Matthew Greywolf

Moment. Da muß aber zunächst einmal in irgendeiner Form jemand von METAL BLADE davon Wind bekommen haben. Schließlich ist es nicht gerade einfach, bei einem derart renommierten Label unterzukommen.

Ich hatte keine Ahnung, wie diese Herrschaften auf POWERWOLF aufmerksam wurden. Tatsache ist jedenfalls, daß sie uns einen Deal angeboten haben, ohne ein Demo von uns erhalten zu haben. Wir hätten aber ohnehin unsere Aufnahmen nicht in die halbe Welt verschickt, um einen Plattenvertrag zu erhalten.

Interessieren würden mich auch noch die musikalischen Einflüsse. BLACK SABBATH und MERCYFUL FATE lassen sich nicht von der Hand weisen und KING DIAMOND scheint auch für das Outfit offensichtlich Eindruck hinterlassen zu haben. Aber auch Musicals scheinen in irgendeiner Form Pate gestanden haben, oder etwa nicht?

Also BLACK SABBATH habe ich zumindest schon einmal gehört, aber von MERCYFUL FATE und diesem KING DIAMOND kenne ich ehrlich nur die Namen. Zwar sind mir diese Begriffe nun schon in etlichen Interviews untergekommen, aber deren Musik kenne ich nicht und daher fällt dieser Einfluß definitiv aus. Bei Musicals verhält sich die Sache ganz anders. Da ich, wie schon gesagt, aus der Klassik komme und auch eine dementsprechende Ausbildung habe, liegen mir derlei Klänge eigentlich näher als Rockmusik. Übrigens ist diese Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen, ich bin als noch immer dabei, meine Stimme zu veredeln. Was Musicals betrifft, hat mir in letzter Zeit vor allem "Tanz der Vampire" besonders gut gefallen. Seit ich dieses Musical in Stuttgart sehen konnte bin ich Feuer und Flamme dafür. Es kann gut sein, daß man diesen Einfluß auch unseren Songs ein wenig anhören kann.

POWERWOLF-Einzelshot: Charles Greywolf

Von Vampiren scheint Ihr generell nachhaltig beeindruckt zu sein. Schließlich handeln die Texte unter anderem davon.

Generell schreibe ich sehr gerne Kurzgeschichten. Ein Teil davon ist natürlich auch in meinen Texten verwendet worden und die Inspirationen dazu entnehme ich unterschiedlichsten Themen. Vampirismus ist aber mit Sicherheit eines jener Themen, die mich faszinieren und sehr interessieren. Dazu kommen aber auch noch Titel mit geschichtlich fundiertem Hintergrund. Als Beispiel sei hier ›Mr. Sinister‹ genannt, das von Vlad Dracul handelt. Er war der Vater des berüchtigten Draculas. Auch ›We Came To Take Your Souls‹ basiert auf historischem Hintergrund. Es geht darin um einen Krieg zwischen Türken und Rumänen, in dem Vlad Dracul, der wohl nicht umsonst auch als "der Pfähler" in die Geschichtsbücher eingegangen ist, mit seinem Heer die Türken daran gehindert hat, Rumänien einzunehmen.

Dich ausgenommen stammen POWERWOLF aus Deutschland. Wie war es denn für Dich in Rumänien möglich, Metal kennenzulernen?

Damit wurde ich erst vor einigen Jahren konfrontiert. Wie ich schon erwähnt hatte, gab es vom Regime keine Zustimmung für diese Art von Musik. Deshalb bin ich, was die Szene an sich betrifft, nicht wirklich bewandert. Einen großen Einfluß auf meine Kenntnisse von Metal haben mit Sicherheit die anderen Jungs von POWERWOLF, denen ich hiermit dafür danken möchte. Bei uns war der Begriff nicht wirklich verbreitet, geschweige denn gab es Schallplatten oder so mit derlei Klängen.

POWERWOLF-Einzelshot: Falk M. Schlegel

Diese Tatsache sollte spätestens nach dem Beitritt von Rumänien in die EU völlig zu vergessen sein. Was denkst Du darüber?

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sollte ein Beitritt mit Sicherheit Vorteile für dieses Land bringen. Doch inwiefern sich so etwas auf Musik oder Kultur auswirken kann, vermag ich nicht zu sagen. Mit Sicherheit aber hat es Vorteile für das Volk, das, wenn es auch sehr stark in Traditionen verankert ist, ein tolerantes ist.

Wird der geneigte Fan, der sich an »Return In Bloodred« erfreuen konnte, Eure Songs auch auf den Bühnen erleben dürfen?

Na hoffentlich. Zwar bin ich nicht sicher, ob es denn auch zu einer Tournee kommen wird, aber es wäre eine feine Sache. Ich habe sehr viel von Rockbands auf Tournee gelesen und gehört und es wäre cool, wenn auch POWERWOLF auf Tournee gehen könnten. Außerdem wäre es auch ziemlich geil, wenn wir auch auf Festivals spielen dürften. Ein Festival hat den Vorteil, daß man eine Menge Fans an einem Ort mit den Songs beglücken kann. Allerdings besteht dabei auch die Gefahr, daß bei einem miesen Auftritt eine Menge an Fans den Namen deiner Band negativ in Erinnerung behalten, so gesehen hat man es als Musiker auf Tournee einfacher.

POWERWOLF-Einzelshot: Stefan Funebre

Was genau darf man bei Euren Auftritten erwarten? Ich nehme einmal an, daß die Photos mit Make-up und so schon das Outfit präsentieren?

Das schon, aber ob Show-Effekte wie Pyro-Technik oder dergleichen auch zu sehen sein werden, kann ich nicht sagen. Wir sind zwar mittlerweile bei DRAGON PRODUCTIONS unter Vertrag, die versuchen werden, uns ein brauchbares Tourneeangebot zu organisieren. Inwieweit aber Showeffekte zur Verwendung kommen, hängt natürlich von den jeweiligen Clubs ab.
Egal, wie auch immer die Show ausfallen mag, eine satte Dosis POWERWOLF bekommt man in jedem Fall geboten! [lacht]

POWERWOLF-Bandphoto 2

Vom "Wolfsgeheule" konnten sich die Fans bei der 2005er Ausgabe des "Summer Breeze"-Festival ebenso überzeugen, wie jene Zeitgenossen, die zuletzt GAMMA RAY auf deren Tournee beaugapfeln konnten, denn auch da durfte der POWERWOLF zu Beginn des Abends losheulen. Ob dieser Wolf nun auch wieder ein wenig in seinem Hinterhalt verweilen wird, ist ungewiß. Mit Sicherheit wird er aber wieder Ende Juni in Balingen heulen, denn POWERWOLF sind bereits für das diesjährige "Bang Your Head!!!"-Festival bestätigt.

http://www.powerwolf.net/

mail@powerwolf.net

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer


P.S.: Nur noch eine kleine Anmerkung von meiner Seite zum Schluß: rotfl! Einfach so...


Stefan Glas

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