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"Rock Station Festival" 2005

Ankara (Türkei), Saklikent

13.11.2005

Das Jahr 2005 war nicht gerade einfach für unsere ROCK STATION-Kollegen. Zwar floriert das Magazin weiterhin und sieht nach diversen Veränderungen besser denn je aus, doch das hauseigene Festival sollte unvorhergesehen zum Sorgenkind werden: Ursprünglich war die achte Auflage des "Rock Station Festivals" im Frühjahr und im üblichen Rahmen, will heißen drei Tage mit diversen ausländischen Bands, stattfinden.
Doch es sollte anders kommen: Der Plan sah vor, daß das Festival auf einem neuen, in Bau befindlichen Veranstaltungsgelände stattfinden sollte. Die Bauherren hatten eine feste Zusage erteilt, doch einige Wochen zuvor mußte das ROCK STATION-Team feststellen, daß der Neubau nie und nimmer rechtzeitig fertig werden würde - was er übrigens heute noch nicht ist, wofür die Strippenzieher hinter dem "großen" Projekt schon mehrfach von der gesamten regionalen Presse abgewatscht wurden. Doch für unsere türkischen Kollegen war guter Rat teuer und in Ermangelung eines Ausweichgeländes blieb ihnen nichts übrig, das Festival abzusagen.
Das hätte können das Ende des "Rock Station Festival" bedeuten, doch ROCK STATION-Chef Hicri Bozdag und seine Mitarbeiter gaben nicht klein bei und setzten einen neuen Termin für ihr Festival an.
Am 13. November war es dann so weit: In abgespeckter Version ging das "Rock Station Festival" wieder an den Start. Kleinere Brötchen backen, lautete das Motto und so beschränkte man sich auf einen Veranstaltungstag, an dem ausschließlich türkische Bands auftreten sollten.
Doch für unseren Abgesandten war dies wahrlich kein Grund zur Traurigkeit, denn es waren einige der stärksten Bands aus den letzten Jahren nebst einiger Neulinge angetreten, um den Sonntagnachmittag und -abend in Stahl zu gießen.

KNIGHT ERRANT [TR]-Liveshot

Den Anfang macht eine etablierte Band, die auch in unserem Online-Blatt schon desöfteren aufgetaucht ist: KNIGHT ERRANT. Doch die Truppe mußte jüngst eine schwerwiegende Line-up-Veränderung verkraften: Waren vor einigen Jahren schon die Brüder Soner und Burak Canözer ausgestiegen, um ALMORA zu gründen, hat nun Sänger Emre Özdil beschlossen, die Musik komplett an den Nagel zu hängen. Eine schwierige Aufgabe für den neuen Sänger Barbaros Bensoy, da Emre einen guten Ruf genossen hatte; kein Wunder also, daß er reichlich nervös agiert und somit die Qualitäten seines Vorgängers, der das Publikum stets hervorragend animieren konnte, bei weitem nicht erreicht. Doch die gute Nachricht lautet, daß er stimmlich sehr gut zur Band paßt. Außerdem zeigen sich KNIGHT ERRANT flexibel: Bei einem Song, bei dem ein ausgedehnter Part nur mit Cleangitarre bestritten wird, fällt genau zu diesem Zeitpunkt die Klampfe aus - wie es der Teufel will. Doch Geigerin Ilgın Ayik springt geistesgegenwärtig ein und spielt die zugehörige Melodie frei improvisiert auf ihrem Instrument. Ein deutlicher Beweis dafür, daß KNIGHT ERRANT mittlerweile eine sehr routinierte Band sind. Leider soll jedoch der Schachzug, mittels einer relativ bekannten Band die Metaller schön frühzeitig ins "Saklikent" zu locken, nicht funktionieren, so daß in der relativ leeren Halle nur wenig Stimmung aufkommt.

SOLITUDE [TR]-Liveshot

Dies soll sich bei den Lokalmatadoren SOLITUDE deutlich bessern, bei denen erste Moshpit-Aktivitäten zu vermelden sind. Bei den Thrashern hatte sich vor mehreren Monaten der zweite Gitarrist verabschiedet. Das nahm die Band jedoch nicht zum Anlaß, diese Position neu zu besetzen, sondern vielmehr konzentriert sich Erkan Döner, früher Sänger und Gitarrist in Personalunion, mittlerweile auf die Saitenarbeit, während in Mert Güvener ein neuer Sänger in die Band geholt wurde, der zuvor bei COURTYARD gesungen hatte. Die neue Stimme ist kreischiger und quietschiger, was nicht sonderlich zu dem Old School-Thrash von SOLITUDE passen will. Zudem klingt die Mucke live mit nur einer Klampfe relativ dünn. Das gilt auch für den Schlußsong ›Revolution‹, der uns noch von der "Metal Crusade"-CD des HEAVY, ODER WAS!? bekannt ist. Unterm Strich also leider eine leichte Enttäuschung.

SANRI-Liveshot

Die Rocker SANRI legen beim RSF 8 gewissermaßen ein Comeback hin, da die Band eine kleine Pause eingelegt hatte. Doch mittlerweile hat man einen neuen Gitarristen in die Band integriert und gar nicht faul einen Deal unterschrieben, so daß die Platte im Februar kommen wird. On stage ist Sänger Koray Göker heuer ohne Akustikgitarre anzutreffen, dafür hat er ein hübsches Tuch, das normalerweise wohl einen Hals zieren soll, direkt ans Mirko geknüpft - ein wenig höher also als diverse Poserbands der Achtziger, die es gern hatten, wenn es am Ständer, ähm am Mikroständer flattert. Beim dritten Song hat Koray gleich ganz Pause, denn die Band legt eine instrumentale Jazz Rock-Improvisationseinlage hin. Da die Band die ruhigste im RSF-Programm ist, verwundert es nicht, daß die Reihen etwas lockerer stehen als zuvor bei SOLITUDE, aber SANRI stellen eine begrüßenswerte Abwechslung dar - nicht nur weil sie als einzige Band auf einen kurzen Pyroeinsatz verweisen können: Beim letzten Song wird eine überdimensionale Wunderkerze auf der Bühne gezündet, die einige Sekunden sprühen darf. Doch das ist nicht der einzige Special Effect der Show, sondern es wird erstmals die Leinwand im Bühnenhintergrund eingesetzt, die dazu benutzt wird, die gerade von den Kameras eingefangenen Bilder widerzugeben, so daß man die Musiker also unter Umständen doppelt sehen kann - auch wenn man keinen Alkohol getrunken hat.

ARCANE [TR]-Liveshot

Weitaus heftiger nähert sich das Festival seiner Halbzeitmarkierung an: In ARCANE stellt sich eine neue Band aus Ankara vor, die Death Metal mit leichter Thrashnote spielen. Ihr Sänger Koray ist ein mächtiger Grunzer, der auch von der Statur her ein wenig an Meister Corpsegrinder erinnert - ohne natürlich dessen Dauerrotation nachahmen zu können. Mit den Attributen "laut, heftig und professionell" versteht die Band zu überzeugen und die Menge anzustacheln. Außerdem hat man ein Extra auf Lager: In der Mitte des Sets verläßt die Band die Bühne, woraufhin auf der Videoleinwand Kriegsbilder zu sehen sind und die Musiker anschließend mit blutverschmierten, weißen Oberteilen zurückkehren, um den nächsten Song in diesem Outfit zu spielen.

METAROTH-Liveshot

Bevor METAROTH die Bühne entern, durchdringt Sirenengeheul die Halle, ein Intro der ohrenklingelnden Sorte. Überhaupt stehen bei METAROTH offenkundig die Showeffekte viel mehr im Mittelpunkt als die Musik: So hält ein Gitarrist bei einem Song permanent eine Südstaatenflagge hoch. Warum er sich jedoch in den Dienst des "The south will rise again"-Mottos stellt, kann meine Wenigkeit nicht eruieren. Viel wichtiger ist jedoch, daß zweifelsohne eine "Skandaltruppe" als Vorbild für die Band fungiert: SLIPKNOT. METAROTH treten nämlich mit Masken auf, die allerdings eher an eine blutverschmierte Variante von Jasons Hockeymaske erinnern, und lediglich Sänger Gory hat einen "Ausschnitt" in seiner Maske, so daß er singen kann. Zudem gibt es Nu Metal-Krach à la SLIPKNOT mit einem kreischigen Sänger, der dem Hörer ein starkes Nervenkostüm abverlangt.

MAGICK-Liveshot

MAGICK, die ebenfalls schon zuvor beim "Rock Station Festival" gastieren durften, beweisen, daß sie sich in den letzten Jahren ordentlich weiterentwickelt und spielen sehr tight auf. Zudem darf Sänger Mehmet Nalbantoglu für sich in Anspruch nehmen, der beste Shouter des Festivals zu sein. Einzig dem MAGICK-Songmaterial fehlt noch die letzte entscheidende Prägnanz, doch die Truppe ist auf dem richtigen Weg. Wie schon bei ihren beiden anderen RSF-Auftritten packen MAGICK eine Coverversion aus und beenden den Set mit MEGADETHs ›Hangar 18‹.

Im Anschluß an diesen Gig findet ein Luftgitarren-Contest statt, der der erste seiner Art in der Türkei ist, und bei dem eine junge Dame den Sieg und die als Preis zur Verfügung gestellte Gitarre davontragen kann.

CROSSFIRE [TR]-Liveshot

CROSSFIRE sind ohne Frage die Band mit dem größten Heimvorteil: Schon lange bevor die Band die Bühne betritt, schwenken die Fans selbstgemachte Flaggen, um sich für das bevorstehende Ereignis warmzumachen. Für den Opener haben CROSSFIRE Berrak von der Band CELESTIAL ASYLUM als Gastsängerin eingeladen, die zudem mimt, sie würde die Musiker auspeitschen. Nach einem Garderobenwechsel, bei dem sie ins Kleine Schwarze umsteigt, kommt sie im Verlauf der Show zurück, um eine weitere Nummer mitzusingen. Es ist kaum zu übersehen, daß die Band, die früher noch an ICED EARTH erinnert hatte, jetzt deutlich härter geworden ist; die neuen Parameter für CROSSFIRE sind jene Bands, von denen man Songs covert: SLAYERs ›War Ensemble‹ und METALLICAs ›Creeping Death‹. Doch damit nicht genug der Veränderungen: Sänger Bülent Aksoy hat mittlerweile seine Matte wieder amputiert, jedoch nicht zur Glatze zurückgestutzt, sondern in hübsche Baseballcap-kompatible Form gebracht. Da zudem vor einiger Zeit der Basser die Band verlassen hatte, kümmert sich Bülent, von Haus aus ohnehin ein gelernter Viersaiter, nun nicht nur dem Gesang, sondern auch um das Langholz.

SUICIDE [TR]-Liveshot

Für den Headliner SUICIDE soll der Auftritt leider zu einem mittelschweren Desaster werden. Aufgrund der über den Tag zusammengekommenen Verzögerung von etwa einer Stunde hat sich das Publikum schon deutlich reduziert, so daß SUICIDE vor recht ärmlicher Kulisse spielen müssen. Zudem ist der gesamte Gig quasi ein einziges technisches Problem, so daß kaum Stimmung aufkommen will. Daher spielen SUICIDE statt der geplanten 70 Minuten gerade mal eine halbe Stunde, doch deswegen darf man nicht übersehen, daß SUICIDE eine erstklassige Death Metal-Band sind, die einzig an diesem Abend vom Pech verfolgt förmlich werden.

Erfreulicherweise konnten die "Rock Station"-Macher ein positives Resümee für ihr achtes Festival ziehen, so daß die Planungen für die nächste Veranstaltung schon laufen. Ergo: Wir sehen uns im Herbst 2006 wieder!


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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