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CLAWFINGER-Bandphoto 1

Wer erinnert sich nicht daran, als vor mittlerweile gut zehn Jahren auf dem damals noch wirklich als Musik(!)sender bekannten MTV nahezu im Stundentakt ein Video einer jungen, hungrigen schwedischen Formation namens CLAWFINGER zu sehen war. ›Nigger‹, so der Titel jenes Songs, sollte quasi aus dem Nichts den Durchbruch für die Schweden bedeuten.
Während unzählige andere Formationen, die zur selben Zeit einen ähnlichen Stil-Mischmasch wie CLAWFINGER offerierten, längst Geschichte sind, können uns die Herrschaften rund um Sänger Zak Tell auch 2005 abermals mit einem neuen Album dienen. »Hate Yourself With Style« nennt sich dieser Silberling, ist mittlerweile der sechste in der Historie der Band und beweist einmal mehr, daß die Schweden ihrem eigenwilligen Stil treugeblieben sind. Noch immer fabrizieren sie eine abgefahrene Mischung aus heftigen Gitarrenattacken, gepaart mit donnernden Grooves und der recht eigenwillig, aber auch eigenständig phrasierten Gesangstechnik des Herrn Tell. Wenn auch die Gitarren ein wenig moderner dröhnen als zuletzt, so läßt sich dennoch von einer klaren Linie in der Geschichte der Band sprechen.
Wo andere Crossover-Formationen in der Zwischenzeit ihre Fähnlein desöfteren in den gerade angesagten Wind gehängt hatten, sind CLAWFINGER sich selbst und natürlich auch ihren Fans treugeblieben.
Aber nicht nur diese Einstellung verdient den gebührenden Respekt, auch die Scheibe an sich weiß zu überzeugen, wovon klarerweise auch Zak überzeugt ist.

Wie fühlt man sich, in einer Band zu spielen, die immer wieder als Erfinder für Klänge genannt wird, die man heutzutage als Nu Metal bezeichnet?

In der Tat sehr geehrt. Wobei ich aber schon zugeben muß, daß mit uns damals eine Menge anderer Bands aktiv waren, die nicht unähnlich musiziert hatten. Allerdings scheinen wir wohl mehr Durchhaltevermögen zu besitzen. Uns war es seinerzeit eigentlich völlig egal, ob unsere Musik auch aufgenommen worden würde, es ging uns in erster Linie um unseren Spaß an der Sache selbst. Daraus hat sich offenbar ein regelrechter Boom entwickelt, denn wenn ich mich an das ›Nigger‹-Video erinnere, das fast rundum die Uhr auf irgendwelchen Musiksendern zu sehen war, denke ich, daß wir auch das richtige Timing hatten, um mit unserer ersten Platte auf den Markt zu gehen. Wenn sich junge Bands heute darauf berufen, von CLAWFINGER beeinflußt worden zu sein, dann bestätigt mich das in meiner Meinung, aber ich muß zugeben, daß es auch Bands gibt, von denen wir uns noch immer beeinflussen lassen.

Die da wären?

In erster Linie muß ich RAMMSTEIN nennen, denn diese Deutschen haben ein unheimliches Gespür für begnadetes Songwriting und vor allem geniale Riffs. Was sich rund um diese Band abspielt, ist zwar vielleicht ein wenig übertrieben, aber die Musiker sind genial. Obendrein sind die Jungs auch allesamt nette Zeitgenossen, wie sich auf die Tourneen zusammen mit RAMMSTEIN gezeigt hat. Daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert, bloß, daß wir zuletzt als Opener fungierten, während es früher andersrum war.

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Interessante Kombination, zumal man vor allem den Gitarren auf der neuen Scheibe eine gewisse Affinität zu RAMMSTEIN nicht absprechen kann.

Vor allem was den Sound betrifft, muß ich Dir beipflichten. Allerdings hoffe ich, daß uns niemand unterstellt, wir würden uns anbiedern. Aber da wir zum ersten Mal in unserer Karriere ein Album in Eigenregie aufgenommen haben, klingen die Gitarren in der Tat bewußt massiver als sonst.

Was war der Grund bei der Produktion generell auf fremde Hilfe zu verzichten?

Da wir in unserer Karriere schon einige Produzenten kennengelernt haben und nicht unbedingt immer mit dem Endresultat zufrieden waren, lag es fast auf der Hand, es endlich einmal in Eigenregie zu versuchen. Zum einen, weil wir dadurch unabhängig waren und nur uns selbst zufriedenstellen mußten, zum anderen, weil es sich auch um eine Frage der Reife handelt. Wir sind mittlerweile solange im Geschäft, daß wir uns weder etwas beweisen müssen, noch es notwendig haben, auf die Stimme eines Außenstehenden hören zu müssen. Das mag sich vielleicht arrogant anhören, spiegelt aber ein wenig auch die Intention hinter CLAWFINGER wieder. Wir haben uns zu keiner Zeit an einen Trend angenähert, sondern haben immer aus Überzeugung unsere Musik komponiert.

Offensichtlich ist eben jene Attitüde auch mit für den Erfolg der Band verantwortlich.

Das hoffen wir zumindest, denn genau so wie wir 1993 überrascht vom unvorhergesehenen Erfolg waren, hätte die Sache auch völlig daneben gehen können und wir alle würden wohl heutzutage regulären Jobs nachgehen.

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Ist Euer Erfolg eigentlich regional eingeschränkt, oder sind CLAWFINGER weltweit zu den führenden Formationen zu zählen, wenn es um Crossover geht?

Wir verfügen zwar über eine eingeschworene und treue Fanbase, die allerdings nahezu ausschließlich in Europa beheimatet ist. Dabei ist noch zu bemerken, daß wir außerhalb Skandinaviens und Mitteleuropa auch nicht gerade auf besondere Verkaufszahlen blicken können. Es ist in der Tat so, daß wir vor allem im deutschsprachigen Raum und in unserer Heimat das größte Following haben dürften.

Was ist mit den Vereinigten Staaten? Immerhin seid Ihr ja so etwas wie Trendsetter gewesen, von daher sollten Euch die Fans fast blind gefolgt sein.

Die Staaten scheinen für uns überhaupt kein Markt zu sein. Vielleicht liegt es ausschließlich daran, daß unsere erste Single ›Nigger‹ gewesen ist und wir uns damit bereits Probleme im Vorfeld der Veröffentlichung eingeheimst haben. Aber in den Staaten kräht wohl kein Hahn nach CLAWFINGER. Wir haben aber gelernt damit zu leben, außerdem ist es auch einfacher, Tourneen in den angesprochenen Regionen zu organisieren. Zudem ist man nicht allzu weit und vor allem nicht allzu lange von der Heimat entfernt, was uns als Familienväter natürlich auch entgegenkommt.

Aber Eure Stammkundschaft werdet Ihr auch mit »Hate Yourself With Style« wieder besuchen, oder?

Aber sicher doch. Auch wenn es noch ein wenig, genauer gesagt bis Mitte Jänner, dauern wird. Bis dahin sollten die Fans die neuen Songs aber soweit intus haben, daß die Stimmung bei den Konzerten nicht abebbt.

Für den nötigen Support wird wohl Euer neues Label NUCLEAR BLAST sorgen. Wie seid Ihr mit diesem Label in Kontakt gekommen?

Wir hatten im Laufe der Zeit einfach die Nase davon voll, bei einem großen Label immer nur eine kleine Nummer sein zu müssen. Allein die Promotion, die zuletzt für unsere Alben gemacht wurde, kann sich überhaupt nicht mit dem Aufwand messen, den NUCLEAR BLAST für CLAWFINGER betreiben. Außerdem fühlen wir uns bei einem auf härtere Klänge spezialisierten Label wie NUCLEAR BLAST auch viel wohler, als bei einem millionenschweren Bauchladen, in dem Metal nicht mehr als Randprodukt ist.
Zufällig hat sich die Sache zwar nicht ergeben, denn NUCLEAR BLAST war eines unserer favorisieren Labels, als es darum ging, wo wir denn unter Vertrag sein wollten, doch daß es so unkompliziert über die Bühne gegangen ist, hätten wir auch nicht gedacht. Kurz gesagt, wir sind rundum zufrieden mit unserer derzeitigen Situation.

CLAWFINGER-Headline

Was CLAWFINGER auch weiterhin sein können, denn qualitativ betrachtet, sollte sich die Fanbase mit »Hate Yourself With Style« eher ausbauen lassen. Bei den anstehenden Konzerten zu Beginn des neuen Jahres werden uns Zak und seine Jungs abermals beweisen, daß sie noch lange nicht zum alten Eisen zu zählen sind.

http://www.clawfinger.net/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

CLAWFINGER im Überblick:
CLAWFINGER – Life Will Kill You (Rundling)
CLAWFINGER – ONLINE EMPIRE 26-Interview
andere Projekte des beteiligten Musikers Jocke Skog:
FEARED – News vom 07.11.2013
SWEDEN UNITED – News vom 26.09.2010
andere Projekte des beteiligten Musikers Zak Tell:
SWEDEN UNITED – News vom 26.09.2010
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